Im Oldtimer durch den Schweizer und den französischen Jura

Nach dem letztjährigen Herrenausflug nach Speyer und Sinsheim, zog es uns dieses Jahr in die Natur. Und zwar in eine Gegend, welche in der deutschsprachigen Welt weitgehend unbekannt ist: der Jura. Ebenfalls ein Novum: das Transportmittel stammt aus den 60er Jahren und hat sich tadellos bewährt, aber dazu später mehr.

Start am frühen Samstag morgen in der Ostschweiz, Nebel begleitete uns auf der Fahrt nach Vallorbe VD von Winterthur bis fast nach Bern. Wo bleibt der Juli?

Das Mitschwimmen auf der meistbefahrenen Autobahn der Schweiz, der N1, ging mit unserem Reisemobil besser als gedacht. Der kleine V8 des Plymouth Valiant aus Schweizer Produktion ist heute noch gut für zügiges Beschleunigen. PS: wer sieht heute noch seine Motorhaube so prominent? 🙂

In Vallorbe (oberhalb Yverdon) im Kanton Waadt stand die Festung „Pré-Giroud“ auf dem Besichtigungsprogramm. Die Führung um 10:30 erreichten wir knapp, ein Fahrzeugbrand im Gubrist zwang uns zu einer Tour durch die Stadt Zürich. Nach dem Autobahnende in Vallorbe steigt die Strasse Richtung „Pré-Giroud“ stetig hoch bis auf 1000 müM und wird immer schmaler. Die Fahrt lohnt sich, das kann ich Ihnen gleich ans Herz legen. Wer sich für die Geschichte des 2. Weltkrieges bzw. für dessen Verteidigungsanlagen interessiert, erlebt hier eine sehr gut erhaltene Anlage. Unser Führer, Herr Zürcher, vermochte uns mit seinen Erläuterungen geradewegs in diese Zeit zurück zu versetzen.

Unter diesem Feld befinden sich die Gänge, die Küche, das Schlafzimmer und natürlich das Munitionsdepot. Alles was über der Oberfläche ist, ist sorgfältig getarnt oder kommt als „Chalet“ daher.

Kantine mit zeitgenössischer Bemalung.

„Jeder spricht vom Frieden, unsere Armee schützt ihn.“

Amüsanter Zusatz am Rande, im Museum sind Karten ausgestellt, welche unsere nördlichen Nachbarn für eine allfällige „freundliche“ Übernahme der Schweiz vorbereitet haben. Die Sprachtalente bei unseren Freunden im Norden scheinen auch damals nicht allzu breit gestreut worden zu sein. Jedenfalls wurden die französischen Ortsnamen schon sicherheitshalber im Voraus übersetzt; aus Orbe wird Orbach, aus St-Maurice Sankt Moritz im Wallis. 🙂

Der alte PTT-Briefkasten erinnert wie ein Oldtimer an gute alte Zeiten als vieles besser war oder zumindest zurückblickend besser schien.

Kurz nach Vallorbe passieren wir die Grenze nach Frankreich und finden schon bald eine typische Auberge mit entsprechender Küche für einen feinen Zmittag.

Die Fahrt über die D437 von Pontarlier nach Morteau lohnt sich landschaftlich sehr, siehe die nachfolgenden Bilder.

Aber auch Morteau ist einen kurzen Zwischenhalt wert, ein richtiges kleines französisches Provinzstädtchen ohne jegliche Hektik.

Was bietet sich am Nachmittag in Frankreich mehr an als ein Orangina? (wenn man noch fahren muss/darf)

Auf der Passhöhe zwischen Damprichard und unserem Tagesziel in Goumois auf der D437A. (diese Nebenstrasse der D437 ist unbedingt „erfahrenswert“)

Da wird auf der Passhöhe fürs Seelenheil gesorgt, sympa, dass die Notre Dame de Lourdes bis heute gepflegt wird. (ich bin nicht katholisch)

Wir waren nicht die einzigen Autofreaks vor Ort. 🙂

Unser Valiant könnte diese Tafel 1967 an unserer Unterkunft schon angetroffen haben.

Das Hotel Taillard in Goumois direkt an der Schweizer Grenze im Tal des Doubs können wir guten Gewissens weiter empfehlen. Die französische Küche bietet ihre Spezialitäten, es sind aber auch „normale“ Gerichte auf der Karte zu finden.

Aussicht von unserem Zimmer, alles was drüben wieder hochgeht gehört bereits zur Schweiz.

So machen „vor-frühstückliche-Wanderungen“ Spass, wenn man sogar einen Méhari hinter einem Chalet entdecken kann!

Hier endet bzw. beginnt die EU, die Grenze war aber unbewacht und absolut friedlich, wir konnten gemütlich die Brücke geniessen.

Ich denke die Tafel war auch schon vor dem Valiant auf der Welt…

Zum Abschluss der Tour gabs noch einen Besuch im Peugeot-Museum in Sochaux bei Montbéliard (ebenfalls nahe der CH-Grenze)

Was darf da nicht fehlen? Natürlich die 406er aus dem Film Taxitaxi.

Von 1976 bis 2010 war dieser 504 in Sénégal unterwegs als Taxi, Peugeot hat ihn als Zeitzeugen aufgekauft. Nun wird er zum 50 jährigen Jubiläum der Baureihe 504 gezeigt. Im Hintergrund sieht man den letzten produzierten 504 Kombi aus Nigeria, welcher erst nach der Jahrtausendwende vom Band lief.

Aufgrund der erfolgreichen „bleus“, waren fast alle Autos mit einer Frankreichfahne geschmückt. Das ist doch schöner Nationalstolz.

Den 505 hatte mein Patenonkel, mir gefallen die Autos mittlerweile immer besser. Wir sind ja ein markenoffener Blog. Einen Fahrbericht über einen alten Peugeot würde ich gerne bei Gelegenheit liefern. 🙂

Schon als kleines Kind liebte ich ihn, den 404 mit seinen kecken Heckflossen und dem schönen Dieselsound. Seit unseren Familienurlauben in Frankreich und vorallem Tunesien in den 80ern hatte ich auch reichlich Gelegenheit, auf der Rückbank von irgendwelchen Taxen mitfahren zu dürfen. Ein Genuss, dem Fahrer beim Schalten mit dem Lenkstockhebel zuzuschauen.

Trotz fehlender Heckflossen, das wäre „mein“ 404: der Pickup! Da würde ich selbst als sehr amerikanisch angehauchter Zeitgenosse jeden Chevy C10 stehen lassen.

Unscharf ich weiss und ärgere mich auch, aber wann sieht man schon einen 404 Rallye?

Jetzt wurde mir auch klar, warum man die grossen Peugeots als die „Mercedes Frankreichs“ bezeichnet.

Eine Blogausfahrt in diese Gegend mit 2 Übernachtungen für nächstes Jahr ist in Planung. Wenn alles klar ist und klappt, wird natürlich hier ausgeschrieben. 🙂

PS: von wegen durstige Amis, mit 12.5l kamen wir durch, der 4.5l V8 mit dem kleinen 2bbl Vergaser ist recht genügsam, entgegen der Stammtischsprüche.

Ein Gedanke zu “Im Oldtimer durch den Schweizer und den französischen Jura

  1. Hallo Marc, den Besuch in der Festung hätte ich dir auch empfohlen, da war ich auch schon mal. Ausserdem schwimmen in der Orbe schöne Bachforellen rum, da hat man richtig Lust die Angel auszuwerfen.
    Klingt alles gut und das würde ich mir gerne nochmals anschauen und die Fahrt am Doubs entlang, ein Traum.

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