US Car Suche – Teil 2

Da der erste Roadrunner, der besichtigt wurde nicht dem gewünschten Zustand entsprach, habe ich die Suche fortgesetzt und einen Wagen – diesmal aus dem Modelljahr 1968 entdeckt, der einen Besuch wert gewesen ist. „Same same but different“ könnte man beim ersten Anblick denken. Und so ist es auch. Der zweite besichtigte Plymouth ist ebenfalls ein 383er mit 4-Gang Schaltung im wunderschönen „B5 blue“. Dann hören die Gemeinsamkeiten aber schon auf.

 

An diesem Modell möchte ich zeigen welche Problemzonen sich unter oder auf dem Blech eines Plymouth B-Bodies der späten 60er Jahre verbergen können. Oder sogar dem Laien schnell ins Auge fallen.

Eine neue Lackierung täuscht schnell über den tatsächlichen Karosseriezustand. Hier hilft nur genaues hinsehen. Wie es sich für einen echten Roadrunner gehört, hat dieses Modell keine Chromzierleisten oder sonstigen Firlefanz. „No frills“ war die Devise gewesen.

Spaltmaße sollten halbwegs passen – das verseteht sich von selbst. Dennoch sollte man im Hinterkopf behalten, dass vor 50 Jahren andere Produktionsmethoden angesagt waren als wir es von heutigen Neuwagen gewohnt sind. Farbunterschiede, wie hier zwischen der Motorhaube und dem Kotflügel sind ärgerlich, gerade wenn eine Neulackierung vorgenommen wurde.

Schwachpunkt nahezu aller Mopars mit Drehstabfederung an der Vorderachse. Die neue Koppelstange für den Stabilisator darf nicht über die meistens verschlissene Lagerung des unteren Querlenkers hinwegtäuschen. Verschlissene Drehstablagerungen machen sich meist durch ein Knacken im Bereich des Vorderwagens beim Bremsen bemerkbar.

Beim Kühlerträger war der Lackierer etwas nachlässig gewesen.

Auf den ersten Blick sieht die Montage der Windschutzscheibe gut aus. Da es in Kalifornieren selten regnet, kann man den Aussagen der Verkäufer ob sie den auch dicht sei, eher keinen Glauben schenken.

Ein Quell der Freude. Die vorderen Ausstellfenster sorgen für eine angenehme Belüftung und reichlich Windgeräusche.

Bei der Heckscheibe trennt sich dann die Spreu vom Weizen der Karosseriebauer. Sehr oft sieht man den großzügigen Einsatz von Dichtmasse, wie sie auch hier schon im Eck hervorquillt.

Gerade bei neuen Dichtungen kann es vorkommen, dass der Heckdeckel stramm schließt. Die vorderen Enden sollten jedoch nicht über die Karosserie heraus stehen.

Wie bei vielen Autos aus der Epoche (ja, auch aus Europa) sind die Radausschnitte häufig rostbefallen. Bei reparierten Kotflügeln ist auf einen sauberen Verlauf der Kontur zu achten. Leider findet man häufig „freestyle“ Arbeiten.

Eine frische Lackierung hilft die Übergänge der äußeren Karosserieteile gut zu beurteilen. Aber auch sonst sollten keine großen Stufen und Sprünge zu sehen sein.

Ohne dicken Unterbodenschutz lässt sich der Zustand der tragenden Karosseriebauteile am Besten beurteilen. Entgegen macher Vorstellung haben die B-Bodies keinen durchgehenden Rahmen auf dem die Karosserie ruht.

Unschön! Dieses Loch im Schweller unterhalb der B-Säule ist nicht unüblich, da hier mehrere Bleche aufeinander treffen.

Bei den Blattfederaufnahmen gibt es zwei Punkte zu beachten. Zum einen, wie sieht die Konsole selbst aus und zum anderen, wie sieht das Lager aus? Wenn dieses verschlissen ist, lohnt ein Austausch kaum. Dann ist der Griff zu einer neuen Blattfeder mit Lagerbuchse meist der einfachere Weg.

Die Abgasanlagen erfordern meist keine große Aufmerksamkeit. Selbst bei schlechten Restaurationen oder dem was man in den USA landläufig darunter versteht, werden diese ausgetauscht. Die sogenannte 8 3/4 Zoll Hinterachse ist eigentlich unzerstörbar. Je nach geplantem Einsatzzweck des Fahrzeugs sollte man auf die Übersetzung achten. Serienmäßig wurde bei der 383er Motorisierung eine 3,23 Achse verbaut, welche einen guten Kompromiss darstellt.

Weniger als 150µm kann man von einer Lackierung dieser Qualität kaum erwarten.

Knapp 2mm Schickdicke müssen nicht zwangsweise auf eine dicke Spachtelschicht schließen lassen. Eventuell hat es der Lackierer auch mit dem Füller oder der Grundierung zu gut gemeint.

Gerade im Bereich der „rear quarter panels“ also den hinteren Kotflügeln sind wilde Spachtelorgien keine Seltenheit. Diese Teile der Karosserie sind sehr rostanfällig und auch oft bei Fahrzeugen aus den „sunshine states“ durch.

Am Heckabschluss ist ebenfalls Sorgfalt beim Zusammenbau erforderlich damit Heckdeckel, Kotflügel und Stoßstange gut zusammen finden.

Im Bereich zwischen der Windschutzscheibe und Motorhaube laufen mehrere Bleche zusammen, die werkseitig verzinnt wurden. Bei späteren Karosseriearbeiten wurde häufig gespachtelt, da eine Instandsetzung hier schwierig ist.

Wellen an der Schwellerunterkanten waren ab Werk vorhanden. Nur so „verissen“ sollten sie nicht sein. Da wurde wohl mal ein Wagenheber falsch angesetzt.

Bis auf die knallige Zündspule und den verchromten Luftfilterkasten zeigt sich der 383er fast im Originalzustand. Bremskraftverstärker und Servolenkung waren ab Werk keine verbaut…

… Auf den Wischwasserbehälter und den Anschluss des Heizungswärmetauschers hat man später bei der Restaurierung verzichtet.

Türverkleidungen gibt es bei diversen Herstellern in den USA als Repro-Teile.

So soll es sein. Standard war im 68er Roadrunner eine durchgehende Bank.

Wenn das Armaturenbrett so rissfrei ist, wie hier, ist es wohl einmal augetauscht worden.

Viel hilft viel. Auch innen ist die reichlich verarbeitet Dichtmasse am unteren Heckscheibenrahmen zu sehen.

Solide Mittelklasse. Für amerikanische Verhältnisse kann die elektrische Ausstattung noch als fachgerecht durchgehen.

Wer auf Grund der vielen kleinen Mängel gedanklich noch nicht Abstand von diesem Wagen genommen hat, bekommt im Kofferraum ein paar weitere Argumente geliefert. Offensichtlich stand der Wagen vor der Restaurierung lange Zeit ungeschützt im Freien und war Wind und Wetter ausgesetzt. Warum man so viel Aufwand in eine Restaurierung steckt und dann den Kofferraum nicht reinigt und die verrostete Hutablage instand setzt, wird wohl nie beantwortet werden können. Wie es dann unter dem neuen Teppich im Innenraum aussehen mag, lässt sich nur erahnen.

 

Fazit: Nummer zwei musste immerhin nicht in einer Garage als Regal für Surfbretter herhalten. Auch die kürzlich durchgeführte Restaurierung weiß auf den ersten Blick zu überzeugen. In Summe waren es dann doch zu viele Detailmängel und keine Bereitschaft des Verkäufers diese bei der Preibildung zu berücksichtigen, so dass es auch bei dieser Besichtigung nicht zu einem Verkaufsabschluss kam.

Nach zwei Roadrunnern wäre es sicher verführt ein Urteil über den Markt zu fällen aber einen Eindruck konnte ich gewinnen was in der Klasse um 30.000$ zu erwarten ist. Die Suche geht weiter!

2 Gedanken zu “US Car Suche – Teil 2

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