US Car Suche – Teil 1

Die Entscheidung ist gefallen! Es muss wieder ein Oldtimer in die Garage kommen. Und bei dem was es werden soll, habe ich auch schon genaue Vorstellungen: Ein Dodge oder Plymouth B-Body der Jahrgänge zwischen 1968 und 1970. Um was es sich dabei im Detail handelt, werde ich noch erläutern.

Um es kurz zu machen; das Angebot in der alten Welt ist zwar reichlich vorhanden, ist aber in der Zwischenzeit in Preisregionen gelandet, die einen schwindelig werden lassen. Kommen Sie also mit in die USA um dort nach einem geeigneten Objekt zu suchen.

Natürlich gibt es gerade in den USA eine Vielzahl von Händlern, die sich auf klassische Fahrzeuge spezialisiert haben und damit auch entsprechende Preise aufrufen. Hier und heute soll es um den Privatmarkt gehen. Was bei uns mobile.de oder autoscout sind, das ist dem Amerikaner sein autotrader.com. Eine wirklich große Auswahl an Angeboten von privat lässt sich aber in den ganzen USA auf craigslist.com finden. Ja, die Website sieht sehr nach Internet 1.0 aus und hat sich vermutlich seit 20 Jahren nicht verändert aber das Angebot macht das wieder wett.

Gerade bei anderen Webseiten, die nur Angebote aus einer bestimmten Region listen, ist die Gefahr groß, dass es sich um Anzeigen mit betrügerischen Absichten handelt. Lassen Sie sich also nicht täuschen, wenn Sie DEN vollrestaurierten 68er Dodge Charger R/T für 30.000 $ entdeckt haben. So schön es auch sein mag, diese Schnäppchen gibt es nicht.

Zurück zu den echten Angeboten. Auch dort empfiehlt es sich nicht jedes Wort auf die Goldwagen zu legen. Was der Amerikaner unter „mint condition“ versteht, kann dem europäischen Autokäufer die Haare zu Berge stehen lassen. Was also tun um nicht auf die Aussagen und vielleicht geschönten Fotos des Verkäufers angewiesen zu sein? Selbst hinfliegen? Möglich aber vielleicht ist dann das Objekt der Begierde bereits nicht mehr verfügbar. Und außerdem – kennen Sie sich mit den Gepflogenheiten des amerikanischen Gebrauchtwagenmarktes aus? Und wer unterstützt bei der Verschiffung falls der Kauf erfolgreich gewesen ist? Zumindest für das erste Mal empfiehlt sich also ein vertrauenswürdiger Kontaktmann vor Ort.

So jemand ist zum Beispiel Piot Wojcik mit seiner kleinen Firma 23Classics in Long Beach. Gratis ist der Spaß natürlich nicht. Aus eigner Erfahrung kann ich jedoch sagen, dass das Geld gut investiert ist wenn man dadurch den Kauf einer hübsch übergeduschten Schrottkiste verhindern kann. Genug der Werbung, nun schauen wir uns kurz die Mopar B-Bodies an bevor wir uns auf die Suche begeben.

Bis in die 70er Jahre hinein gab es im Chrysler-Konzern drei Fahrzeugplattformen, die selbstverständlich den Motor vorne und den Antrieb hinten hatten. A-, B- und C-Bodies. Der Name lässt es vermuten – es geht um die Größe der Karosserie. Und dabei sind die B-Bodies – für mich persönlich – die goldene Mitte im Modellprogramm. Die A-Bodies sind von ihren Ausmaßen noch mit großen europäischen Limousinen vergleichbar, einen C-Body bekommt man nicht mehr in eine deutsche Normgarage. Neben den ganz praktischen Vorzügen, glänzten die Mittelklassemodelle Coronet und Belvedere daher auch mit einer fast unüberschaubaren Vielfalt an Karosserieformen, Ausstattungsvarianten und natürlich Motorisierungen vom kleinen Sechszylinder bis zum 7,4l V8.

Nein, es muss natürlich nicht immer ein Auto aus Kalifornien sein. Viele der dort angebotenen Fahrzeuge waren ohnehin einen Großteil ihres Lebens in anderen Bundesstaaten unterwegs gewesen. Aber für den Beginn meiner Suche habe ich mich auf den Süden Kaliforniens von San Diego bis nördlich von Los Angeles konzentriert. Obwohl von den B-Bodies in den gesuchten Jahrgängen mehrere Hunderttausend Einheiten über alle Varianten produziert wurden, sind trotzdem fast 50 Jahre ins Land gegangen und viele Fahrzeuge einfach verbraucht worden. Dazu kommt, dass zu dieser Zeit ein Neuwagen kaum 10 Jahre überlebt hat, bevor er in die Presse gewandert ist. In den salzreichen Bundesstaaten durchaus noch viel schneller. Dementsprechend ist das Angebot durchaus auch für eine solch dicht besiedelte Metropolregion überschaubar. Mein Anspruch war ein Auto zu finden, dass mit kleinem Aufwand dem TÜV vorgestellt werden kann und keine vorausgehende Teilrestauration benötigt.

Nach ein paar Tagen der Suche hatte ich gleich den ersten Kandidaten ausfindig gemacht. Einen 69er Plymouth Roadrunner – dem sportlichen Einstiegsmodell mit 383er V8 und 4-Gang Schaltgetriebe. Der Text der Anzeige, las sich trotz der angebrachten Vorsicht, bereits vielversprechend:

„1969 Plymouth Roadrunner. Completely restored. This is truly a car for the Mopar enthusiast. 383 Engine runs like new. Exterior looks brand new, Interior is excellent. This car looks as if it’s still sitting in the showroom in 1969!!! This car will not last. It is in my garage in Santa clarita. Miles 576051. Your chance to own a piece of legendary history!! Very few of these cars exist today and only a handful in this condition. Clean Title in hand. Serious inquiries only. call or text“

Auch auf den zweiten Blick sieht dieser Roadrunner vielversprechend aus Keine falschen Zierleisten und die zeitgenössischen Magnum Wheels passen.

Keine Selbstverständlichkeit. Die Bank wurde offenbar einmal neu aufgepolstert.

Gerade in Kalifornien wird gerne der Heizungswärmetauscher überbrückt. Hier passt aber alles.

Wenn die Fotos aus dem Inserat diese vollmundigen Versprechungen nicht unterstrichen hätten, wäre mein Interesse sofort wieder verebbt. Aber das, was dort zu sehen war gab keinen Grund zur Sorge. Mit Spannung habe ich zu Hause am Smartphone mitgefiebert und auf die ersten Fotos und Videos der Besichtigung gewartet.

Auch ohne Hebebühne lässt sich eine gründliche Inspektion der Karosserie durchführen. Wenn das Blech „durch“ ist, ist meistens von der Technik auch nicht viel mehr zu erwarten. Schnell stellte sich heraus, dass der Roadrunner für einige Jahre in der Garage geparkt war – eigentlich nicht schlecht –  und dort als Ablage für Surfbretter herhalten musste. Auch ohne Lackschichtdickenmesser konnten die dicken Spachtelschichten in den tiefen Kratzern auf dem Blech entdeckt werden. Dieser ist jedoch unerlässlich um die Karosserie auch an den neuralgischen Stellen zu untersuchen. Grundsätzlich ist ja zu „body repair“ nichts zu sagen. Auch wenn das eher nach einer Gesichtscreme klingt. So lange die Spachtelmasse ordentlich verarbeitet wird, ist nichts dagegen einzuwenden. Schichtdicken von deutlich über 1mm gehören da aber nicht dazu.

 

Erster Feindkontakt mit einem Surfbrett

Zweiter Feindkontakt mit einem Surfbrett

Frisch waren diese Reifen nicht mehr, wie übrigens auch der Rest aller Gummilager im Fahrwerk.

Den Kampf mit dem Dachhimmel hat der Sattler oder wer auch immer sich daran versucht hat verloren.

Ein Blick unter die gut zugängliche Hutablage reichte um zu sehen ob der Karosseriebauer einen guten Tag hatte oder vielleicht etwas früher Feierabend gemacht hat.

Nach all den Erkenntnissen habe ich den Wagen natürlich nicht genommen. Zugegeben, etwas enttäuscht war ich schon gewesen aber diese Besichtigung hat mir die Augen geöffnet für Details, die mir wichtig sind und bei einem amerikanischen Gebrauchtwagen keine Selbstverständlichkeiten sind. Andere Angebote warteten bereits auf eine Besichtigung. To be continued.

7 Gedanken zu “US Car Suche – Teil 1

  1. Pingback: US Car Suche – Teil 2 | autosleben

  2. Hallo und guten Tag!

    Die Besichtigung würde also vor Ort von 23Classics vorgenommen!?
    Was hätte der Roadrunner denn kosten sollen?

    Viele Grüße

    Udo Albrecht

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