Mit einer Schweizer 69er Corvette durch den Westen der USA Teil 2

Teil 2 – die Überfahrt

Während wir den Winter in der Schweiz aussassen, schwamm unsere Corvette langsam über den Atlantik und Mitte Dezember durch den Panama Kanal. Dank des Marine Tracking Tools und Webcams am Panamakanal konnten wir den Fortschritt live verfolgen.

schiff

Wir lehnten uns beruhigt zurück. Das war vielleicht ein Fehler. Zwischen Weihnachten und Neujahr bekamen wir vom Broker in L.A., der die Einfuhrformalitäten bearbeitete ein Email, dass das Auto ausgeladen worden sei. Soweit so gut. Ich rief Garry an, unseren Freund der sie im Hafen abholen sollte und gab ihm Bescheid. Kurz darauf rief mich Garry zurück und schimpfte wie ein Rohrspatz. Der Broker sei ein (zensiert) und wolle nur Geld kassieren und sonst nichts. Das Auto sei zwar auf dem Hafengelände, aber er als Privatperson könne nicht dort hinein. Man muss dazu wissen, dass Port Hueneme bei L.A. gleichzeitig der grösste Hafen für den Umschlag von Gütern des US Militärs ist. Ergo streng reguliert und bewacht.

Über mehrere Tage telefonierte und emailte ich zwischen dem Broker und Garry hin und her. Schlussendlich lief es darauf hinaus, dass ein «Freund der Hafengewerkschaft» des Brokers gegen eine winzige Gebühr – natürlich ohne Quittung – Garry auf das Hafengelände begleitete. Die folgende Story hat mir dann Garry erzählt. Ich war sprachlos.

Ausgerechnet an diesem Tag regnete es im ausgedörrten L.A. sintflutartig. Garry organisierte deshalb einen Bekannten, der ihn mit seinem Pickup und einem Hänger begleitete. Auf dem Hafengelände angekommen schien schon etwas komisch zu sein. Die Motorhaube war offen. Beide sprangen aus dem Pickup um genauer zu schauen was los sei. Offenbar hatte jemand von der Zollbehörde oder ein Hafenarbeiter die Haube aufgemacht. Statt sie normal wieder anzuheben und sanft fallen zu lassen, dachte sich der jemand wohl, es würde viel mehr Spass machen sie mit Gewalt zuzuwürgen. Der Mechanismus war komplett verbogen.

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Kann man solchen Ärger noch toppen? Aber hallo:

Als die beiden nach weiteren Schäden suchten, knallte es plötzlich direkt hinter ihnen. Ein 18-Wheeler hatte es tatsächlich geschafft, beim Rückwärtsfahren direkt den Hänger von Garrys Bekanntem zu rammen. Nicht ein bisschen eingedrückt – Totalschaden! Als Garry mir das erzählte malte ich mir aus, was passiert wäre wenn die Corvette schon drauf gestanden hätte. Oder noch schlimmer, wenn die beiden noch beim Hänger gestanden hätten. War damit die Horrorgeschichte zu Ende? Selbstverständlich nicht:

Der Fahrer des Trucks entschuldigte sich und bot an, den Schaden zu begleichen. Aber bitte keine Polizei oder Versicherung, das sei immer so eine Sache auf dem Hafengelände. Garry’s Bekannter und der Fahrer googelten den Wert des Anhängers und einigten sich auf einen Betrag. Statt eines Schecks ging der Fahrer seelenruhig zu seinem Truck und holte ein Bündel Dollars hervor und zahlte Cash. Ach ja, den defekte Hänger gehöre jetzt ja ihm und er würde sich um die Entsorgung kümmern.

Garry setzte sich also in unsere Corvette und fuhr sie durch 5cm hohe Flutbäche nach Hause, sein Bekannter folgte ihm im Pickup. War das jetzt endlich alles? Nö:

Am nächsten Tag fief Garry’s Bekannter bei ihm an. Er hätte einen Anruf von der Polizei in Port Hueneme bekommen, wieso er seinen Schaden nicht gemeldet hätte. Er stammelte daraufhin etwas von dass niemand zu Schaden gekommen sei und er das Problem nicht sähe. Wieso denn die Polizei das wissen wolle. Die trockene Antwort: «Der Trucker wurde dabei erwischt, wie er illegal versuchte den Hänger zu entsorgen. Bei der darauffolgenden Durchsuchung der Kabine wurden Drogen gefunden». Yep, unser Corvette-Trip war schon ein Thriller, bevor wir selbst nur einen Fuss in USA auf den Boden gesetzt hatten.

Fortsetzung folgt.

corvette

Verfasser und Eigner der Bildrechte ist Martin Bernoulli, Zug.

2 Gedanken zu “Mit einer Schweizer 69er Corvette durch den Westen der USA Teil 2

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