Altes Alltagsauto – investieren oder entsorgen? Was ist nachhaltiger?

Situation: In der Garage steht ein 20 jähriger Audi 100/A6 den Vater Staat gerne mal inspizieren möchte. Dazu ist Nachwuchs im Anmarsch. Jetzt stellt sich die grosse Frage was tun;

1. in den Audi investieren, ihn wieder für 2 Jahre „legalisieren“?

2. den alten Audi entsorgen und etwas neues kaufen?

Was sind die Vor- und Nachteile bezüglich Finanzen, Familientauglichkeit, Lust und sogenannter „Nachhaltigkeit?

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Zuerst zum IST-Zustand, es ist ein 1996 gebauter Audi A6 „C4“ 2.8 30V quattro in seltenem perlmuttweiss vorhanden. Sein Kilometerzähler zeigt knapp 260’000km, damit ist er sicher auf null abgeschrieben. 2014 war noch ein Motorproblem zu beklagen, mittlerweile läuft er soweit gut. Er teilt das Los mit vielen modernen Motoren, dass er einfach zwischendurch aggressiv freigefahren werden muss. Nur mit kaltem Motor umparkieren mag er gar nicht, das kann man berücksichtigen. Der Zahnriemen ist erst zweieinhalb jährig, das Motorenöl nicht mal halbjährig. Die hinteren Bremsen sind auf jeden Fall komplett zu machen, das Fahrwerk ist zwar nicht mehr ganz frisch, sollte aber nochmals genügen. Die Sichtkontrolle weist sonst nur optische Mängel auf wie eine „benützte“ hintere Stosstange, ein kaputtes rechtes Aussenspiegelgehäuse sowie Türgummileisten mit abstehenden Eselsohren. Der Ölkonsum ist noch einigermassen verträglich. Die Investitionskosten sind also geschätzt im ganz kleinen 4-stelligen Bereich. Veräusserungserlös im jetzigen Zustand wohl 3-stellig.

Als mögliche Alternativen sehe ich (die Ansicht meiner Frau ist hier nicht zwingend deckungsgleich) 🙂 einen neuen Citroën C4 Cactus (ich mag die Idee dieses Autos), einen ebenfalls neuen Skoda Octavia 4×4 bzw. Opel Astra Caravan, einen nicht mehr ganz neuen Mercedes S211 (E-Klasse Kombi) oder einen noch etwas älteren Buick Park Avenue (SFr. 2’900.-). Um den Vergleich aber klassisch zu belassen (altes Auto weg, neues kaufen) vergessen wir für diesen Vergleichsartikel den älteren Daimler und das Amischiff schnell wieder.

Vorteil Erhalt A6

+geringer finanzieller Aufwand im Moment

+emotionaler Wert bleibt erhalten (Mein Vater bestellte ihn damals neu)

+alte Autos sind generell robuster im Innenraum (kein Softlack, widerstandsfähige Velourssitze)

+keine unkontrollierbar teuren Defekte nach Ablauf der Garantie

+brauchbarer und haltbarer Allradantrieb

+es muss kein neues Auto produziert werden, der 1996 geleistete Produktionsaufwand erbringt weiterhin Nutzen

Nachteil Erhalt A6

-Familienauto mit zerklüftetem Kofferraum ohne umlegbare Rücksitze

-höherer Verbrauch (aktuell 9.6l)

-Ersatzteilsituation der Audi NSU AG

-etwas höhere Abgasemissionen

-„nur“ Doppelairbag und Sicherheitstand von 1991, dem Präsentationsjahr des Audi C4

 

Vorteil Kauf neues Auto

+Garantie und damit in den ersten Jahren kalkulierbarere Kosten

+tieferer Verbrauch

+Sicherheit auf neuestem Stand

+bessere Abgaswerte

Nachteil Kauf neues Auto

-hoher finanzieller Aufwand im Moment inkl. Wertverlust

-Fahrzeug muss extra hergestellt werden, Umweltbelastung durch Produktionsaufwand

-bis auf C4 Cactus austauschbares Erscheinungsbild

-schlechte Übersichtlichkeit generell bei neuen Autos

-Kurzlebigkeit des erworbenen Produkts, 20 Jahre dürfen heute im Zeitalter des Dünnblechs und der Plastikschrauben nicht erwartet werden.

-man gesellt sich zu den lieben Menschen (Gutmensch darf man nicht mehr sagen, haben gebildete Leute herausgefunden) welche dauernd neue Produkte kaufen, um ihren Umweltschutz-Touch unterstreichen zu können und ja nicht als „ewiggestrig“ zu gelten.

 

Ich bin gespannt, ob Sie bei den vier Auflistungen weitere Argumente finden! Ich möchte Sie gerne zur Diskussion über die Kommentarfunktion einladen.

 

Mein sehr persönliches Fazit:

Meines Erachtens wird aus der Autoindustrie aus nachvollziehbaren Gründen für den Kauf von neuen Autos geworben. Leider bekommen diese rein marktwirtschaftlichen Forderungen (auch wenn sie mit „grünen Argumenten“ dem Kunden schmackhaft gemacht werden) von unserer kurzsichtigen Politik gratis Unterstützung. Ein neues Auto sei sauber, das „Alte“ ist dreckig. Stichwort Abwrackprämie etc. „Alt“ heisst heute sowieso wie oben erwähnt „ewiggestrig“ und wer will das schon sein? Mit diesem Argument muss man ja fast gewinnen. Das Ewiggestrige ist gesellschaftlich laut den Medien oft erst willkommen, wenn es sich um „richtige Oldtimer“ dreht. Dass es aber unter Umständen deutlich umweltschonender und der heimischen Wirtschaft förderlicher ist, das alte Auto weiter zu fahren wird vergessen. Auch von unseren Medien, die ja eigentlich mehr tun sollten, statt nur den Verstärker der Industrie und der Politik zu spielen. Aber es ist natürlich als Journalist einfacher, neue Autos vorzustellen, als zu argumentieren, zum Beispiel den Golf II, Mercedes 190 oder Audi 80 doch zu erhalten und gegen die Wegwerfgesellschaft zu opponieren. Die Medien haben hier meines Erachtens in den letzten 10 Jahren total versagt. Die intensive Lektüre von 70er Jahre Zeitschriften ist da für mich deutlich abwechslungsreicher. Damals wurden auch ungewöhnliche, andersartige Ideen gezeigt, es wurde intensiv recherchiert und getestet. Wann kriegen wir wieder Automagazine die kritisch hinterfragen? Und zwar nicht nur, ob der neue Honda den Lichtschalter am richtigen Ort platziert bekam.

Wird ein altes Auto erhalten, kriegen die kleinen Werkstätten Arbeit – Vorteil für den Wirtschaftsstandort Schweiz bzw. Deutschland. Das neue Auto kommt ja oft aus ganz anderen Ländern. Bis ein Verbrauchsvorteil den immensen Produktionsaufwand den ein neues Fahrzeug verursacht wett macht, muss man sehr viele Kilometer Autofahren. Diese Rechnung ist meines Erachtens immer anzustellen, ausser man ist so ehrlich und sagt, „ich WILL etwas Neues, ich hab einfach Lust drauf“. Das soll jedem gegönnt sein!

Wem die Umwelt aber ernsthaft am Herzen liegt, sollte sich den Kauf eines neuen Autos zweimal überlegen. Ich frage mich, ob die vielen neuen Teslas und Hybridautos, deren Besitzer oft ganz stolz sind auf ihren Einsatz für die Umwelt, derselbigen nicht einen Bärendienst erwiesen haben mit dem Neukauf. Böse Zungen behaupten ja, es geht diesen oft Leuten eher um ihr Image. 🙂 Das Thema Elektromobilität und Hybridantrieb wird mit allen Kräften positiv besetzt. Schliesslich wachsen Batterien ja auf Bäumen und können hinterher kompostiert werden. Dazu ist in Zeiten in denen Politiker mit Freuden AKWs abschalten, fragwürdig, ob man den restlichen Strom nicht dringender in Industrie und Haushalten benötigt als zum Verfahren. Natürlich verändert sich dieses Verhältnis, wenn man seine eigene Solarstation hat. Auch diese muss produziert werden, entkräftet aber mein vorheriges Argument des „Strommissbrauchs“. Ich möchte damit niemanden sein neues Auto schlecht reden, ich gönne jedem seine Freude. Ich möchte hiermit nur die zur Schau getragene Tugend einiger E-Fahrer und Neuwagenbesteller im Allgemeinen etwas in Frage stellen.

Unsere Lösung war, den Audi wieder vorzuführen und die Gummileisten und den Rückspiegel zu ersetzen. Wie er sich dabei bewährt, werden Sie selbstverständlich hier erfahren.

 

19 Gedanken zu “Altes Alltagsauto – investieren oder entsorgen? Was ist nachhaltiger?

  1. Pingback: Die Krux mit dem Umweltschutz, oder das „reine“ Gewissen – eine Meinung | autosleben

  2. Hallo Marc, alte Autos haben nur schon den Vorteil, dass man sie auf Parkplätzen nicht sichen muss! Das Argument der grauen Energuie, das in jedem neu gebauten Auto steckt, ist sehr wichtig, da kannst du lange mit dem alten Auto weiter fahren. Aber Frage: hast du Zahlen zur Energie, die in einem durchschnittlichen Neuwagen steckt (in Benzinäquivalenten?) Habe das z.B. gefunden: Die Herstellungsenergie (graue Energie) beträgt zum Beispiel bei einem VW Golf 20 000 Kilowattstunden. Das macht 12 bis 15 Prozent der gesamten Energie aus, die während des Produktezyklus für ein solches Auto aufgewendet wird (inklusive Treibstoff). Da Autos ausschlies­slich im Ausland produziert werden, stammt wohl die meiste graue Energie aus fossilen Quellen. Man kann mit einem Fahrzeug darum mehrere zehntausend Kilometer zurücklegen, bevor die Emissionen, die beim Fahren entstehen, diejenigen für die Herstellung übersteigen. Kauft man vorzeitig ein emissionsarmes Auto, kann der CO2-Ausstoss für die Herstellung die Einsparung beim Fahren rasch übersteigen. Handelt es sich bei Neuwagen um ein Elektro- oder Hybridfahrzeug, muss zur Herstellung der Batterie zusätzlich soviel ­Energie investiert werden, dass man damit ­etwa 200 000 Kilometer weit fahren könnte.

    Sowieso, meinen Audi 90 B2 werde ich im Frühjahr sanft renovieren, damit er weitere Winter übersteht und ohne Schneeeketten an neuen Fahrzeugen die Berge hochsaust 🙂 Ohne Allrad, versteht sich!
    Gruss
    Stephan

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  3. Ich bin der allerletzte Mensch auf Erden der sich einen Neuwagen kauft und unterhalte eine Flotte von 6 Fahrzeugen mit Baujahr zwischen 83 und 95. Aber die Argumentation hier ist sehr einseitig. Bzw schließt von Anfang an einen Neuwagen aus. Z.B. sind keine Contra Audi Argumente vorhanden. (ja es gäbe welche)
    Wieso sichert man einheimische Arbeitsplätze wenn man sein altes Auto weiterfährt? Die Ersatzteile kommen in den seltenen Fällen aus D und die meisten Altwagenfahrer (meine Erfahrung) wollen alles für kleines und kaufen bei ATP und Ebay ihre Teile. Alte Autos lohnen sich nur wenn man selber schraubt. Ansonsten sind früher oder später der Frust und Werkstattkosten vorprogrammiert.
    Wenn die ganzen Sparfüchse mit ihren alten Klapperkisten und notorischem Hass auf Tüvprüfer aber mit dem „Kultfaktor“ oder „Oldschool“ ihrer Möhre ankommen, geht mir die Hutschnur hoch. (sagt man das hier so?)

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    • Hallo

      Ich muss Dich in einem Punkt korrigieren, es sind sehr wohl negative Punkte zum alten Audi drin:

      -Familienauto mit zerklüftetem Kofferraum ohne umlegbare Rücksitze
      -höherer Verbrauch (aktuell 9.6l)
      -Ersatzteilsituation der Audi NSU AG
      -etwas höhere Abgasemissionen
      -“nur” Doppelairbag und Sicherheitstand von 1991, dem Präsentationsjahr des Audi C4

      Warum beim Erhalt eines alten Autos die heimische Wirtschaft profitiert möchte ich folgendermassen erklären:
      Die kleinen Werkstätten arbeiten meist an Gebrauchten und helfen, diese über den TüV/MFK zu bringen. Wenn DU was neues kaufst, werden die Autos in irgendeinem Land hergestellt. Da diese am Anfang wenig Unterhalt benötigen, hat gerade mal der Importeur und der Verkäufer davon etwas Arbeit. Ungleich weniger, als wenn ein Mechaniker an einem Auto arbeiten kann. Schweizer kaufen meistens Qualitätsteile und der Artikel ist aus Schweizer Sicht geschrieben 🙂 Deutschland kann ich diesbezüglich nicht beurteilen.

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  4. BRAVO! Mein letztes neues auto hatte ich 1995 (Chevy Impala SS) gekauft, den fahre ich heute noch (nur von April bis Okt.) für den Winter habe ich eine Buick jg. 91, meine Frau einen Chevy Caprice jg. 95. Wen ich höre (von den ehrlichen) was die neuen Auto’s für Kosten verursachen (Rep. und Unterhalt) das ist ja GRAUENHAFT und RUINÖS! Solange ich nicht sicher bin was sich durchsetzt (Elektro, künstlicher Brennstoff usw.) kaufe ich garantiert kein neue’s Auto.

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    • Hallo Roadmaster
      So ein 90er Jahre Ami hätte mich auch gereizt im Alltag. War mal kurz davor, einen Park Avenue für diesen Zweck zu kaufen. 🙂
      Du hast recht, lassen wir die experimentierfreudigen bzw. auch die selbsternannten Klimaschützer die verschiedenen Systeme prüfen.

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  5. Ich bin entsetzt zu lesen, dass du erwägen würdest einen 🌵 zu kaufen….wenn schon Franzose dann ein Citroen CX Break, eine DS Break😍 oder sogar einen XM….aber niemals einen 🌵. Alternativ sind natürlich auch Skoda, der Stern und Buick eine sehr gute Wahl, von Rüsselsheim halte ich weniger (die Qualität vergangener Zeit fehlt immer noch). Vielleicht wäre auch ein schöner alter Passat etwas für die Familie.

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    • Lieber Sven
      Ja der Cactus hat was finde ich. Kein vollbepacktes neues Monstrum, sondern vernünftige Grösse und keine 10000Extras schon automatisch drin die eh nur kaputt gehen können. Der Buick wär auch klasse gewesen ja! Bei Opel ist mein Favorit einfach zu schade als Alltagsauto: Admiral/Diplomat B. 🙂

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  6. den Audi behalten war 100% richtig. Ein gleichwertiges neues Auto zu kaufen, welches auch noch Allrad hat ist eine sehr große Investition und die sich bestimmt erst nach 15 Jahren und mehr lohnt… Ich fahre einen 16 Jahre alten Galaxy von Ford, einmal gebraucht gekauft für 2600.- Euro… dann fuhr mir einer rein.. Schaden 3600.- Euro. Selber repariert 1000.- Euro mit neuen Reifen…. Noch Inspektion machen lassen und das war es…. Und er fährt und fährt und ist bequem und ein wahres Raumwunder. Und wenn er mich nicht im Stich läßt dann werden es noch ein paar Jahre mehr….. Wir müssen keine alten Autos fahren… wir wollen es. Denn nirgens kann man schneller Geld verbrennen als beim Neuwagenkauf und ich bin meinem Geld nicht böse.. spende ich es lieber an eine Hilfsorganisation…. Oder???? HaPe

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    • Hallo Hans-Peter
      Ich gebe Dir absolut recht. Wenn Du was Neues kaufst, hast Du nur Angst vor dem ersten Kratzer und ärgerst Dich dann gewaltig.
      Ich investiere drum auch aktuell in den Pontiac, ein bisschen neues Blech nach 40 Jahren ist ok. 🙂
      Grüsse

      Marc

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  7. Lustig, nach vielen, vielen Jahren mit vielen, vielen ganz verschiedenen älteren und jüngeren Gebrauchtwagen praktiziere ich zurzeit exakt dasselbe Konzept, ulkigerweise ebenfalls mit einem vollverzinkten Audi (80, Bj. 89), den meine Eltern damals neu kauften. Er ist das problemloseste und beste Langzeitauto, das ich je besaß. Vom Image sicher ziemlich weit unten, obwohl das Design 1986 durchaus als progressiv galt, braucht es mittlerweile ein gerütteltes Maß an Selbstbewusstsein, um ihm als erklärter Autofreak, der ich bin, weiter die Treue zu halten, aber die auch in dem Beitrag genannten Sachargumente für den Weiterbetrieb sind einfach zu erdrückend. Deshalb bleibe ich dabei …

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    • Hallo Martin
      Ja die Typ89 sind absolut klasse! Ich würde sie sogar als noch haltbarer als der C4 einstufen. Hatte selbst mal einen 87er 90 quattro 2.3E.
      Und nochmals ja, es gehört etwas Selbstbewusstsein, aber das haben wir doch genug 🙂 🙂
      Bleib auch Du dabei, ich find den 89er übrigens echt schön!

      Grüsse
      Marc

      PS. habe noch den Vorgänger Deines Autos, der ist im Vergleich uralt.

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  8. Hallo Marc,

    ein sehr interessantes Thema! Ich habe da schon oft mit Leuten mit weiteren und engeren Blickwinkeln darüber diskutiert und verschiedenste Reaktionen gehört.

    Es gibt einmal diese Leute: Wohnen meist in einem Reihenhaus, in einer kleinen Siedlung oder in einer Doppelhaushälfte. Solche Leute, die hier an der Nordsee Urlaub machen und sich wundern, dass es auch hier Butter zu kaufen gibt. Sie stehen bei Edeka an der Kasse mit Sandalen (und Socken bis zum Knie), kurzen Hosen und Feinrippunterhemd angezogen. Wahlweise wird das Feinrippunterhemd auch weggelassen, damit man den „Wohlstand“ erkennen kann. Die Leute fahren meist einen Mini-Van (da kann man so bequem einsteigen) oder einen Pseudo-Öko-Diesel, der ja angeblich nur 2 Liter auf 100 verbraucht. Die kaufen sich meist alle 3 bis 4 Jahre ein neues Auto. Da „bekommt man noch was“ für den Alten (Ja, weniger als die Hälfte des Neupreises…) und die Reparaturen fängen ja bald an. Außerdem würden ja die Nachbarn anfangen zu reden, wenn man nicht alle vier Jahre ein neues Auto hätte. Die würden dann bestimmt auf plötzliche Privatinsolvenz schließen. Die sehen alte Autos als „Stinker“ oder als Fortbewegungsmittel für arme Leute an. Viel zu viel verbrauchen die Autos, viel zu teuer sind die Reparaturen und sie gehen andauernd kaputt. Ähnlich wie damals die Heckflossenkämpfe in den USA ;-). Deshalb werden Neuwagen gekauft. Fertig, aus.

    Dann gibt es noch dieses Leute: Sie fahren ihren alten Wagen schon ganz lange. Sie haben ihn vor zehn, zwanzig Jahren gekauft und wollten ihn fahren, bis er kaputt geht. Entweder sie mögen keine neuen Autos leiden – oder die Autos haben schon zu viel Elektronik. Deshalb fahren sie ihr Auto weiter und stecken auch Geld rein – und kurbeln damit gleichzeitig die Wirtschaft an. So verdient nicht nur der Autohersteller und die Vertragswerkstatt, sondern auch vielleicht einmal die kleine, freie Werkstatt um die Ecke. Autohändler und -Zeitschriften interessieren sie meist nicht. Sie haben ja ein Auto. Davon gibt es hier noch wirklich viele. Hier fahren noch richtig viele „alte“ Autos herum.

    Klar, kann ein Neuwagenkauf auch lohnen, wenn nach fast zwanzig Jahren der Wagen einfach „auf“ ist und eine Reparatur die Kosten eines Neuwagens überschreiten. Wenn man den (wenn er denn so lange hält) auch zwanzig Jahre lang fährt, ist das doch gut. Ob die Elektronik da nun dazwischen greifen wird, kann ich nicht beurteilen. Es gibt ja auch genügend alte Autos, die noch fahren, obwohl sie Steuergeräte ohne Ende haben. Junge, seriöse Gebrauchte haben ja meist auch schon Elektronik. Man sieht aber trotzdem auch noch viele Astra, Benz, Lexus etc. aus den 90ern fahren. Die „elektronikfreien“ Autos sterben eh aus. Wie alle Autos. Sie werden weggeschmissen. Bei meiner Suche nach einem günstigen Pendelkombi habe ich mich für einen Passat B4 entschieden. Davon gibt es irgendwie nur noch erschreckend wenige. Neuwagen verbrauchen aufgrund ihrer Downsizingmotoren auch mehr. Ich erinnere mich an einen kleinen Kombi aus Spanien, der mit seinem 1,2-Dreizylinder 2 Liter mehr(!) verbrauchte als mein alter Volvo.

    Ich für meinen Teil werde meine „alten“ Autos möglichst lange am Leben halten – und nur Gebrauchte kaufen. Die sind schon da und ich kann sie fahren. Ist zwar immer ein gewisses Risiko dabei, dass ich eine Gurke erwische – aber das kann auch bei Neuwagen passieren. Man kann ein Auto zur Not ja immer wieder verkaufen. Bei einem Neuwagen käme für mich nur eines mit Brennstoffzelle in Frage. Für mich muss nicht Unmengen an Wasser und Luft verschmutzt werden.

    Autos gibt es genug. Die Erde ist ein Auslaufmodell ;-). Viel Spaß mit dem Audi weiterhin ;-).

    Schöne Grüße
    Lars

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  9. Bei mir stand bis April 2015 ein ’92er Audi 100 als Alltagswagen vor der Garage (in ihr ist ein 1970er Opel Commodore A GS 2800). Der Audi 100 hatte wirklich nur das Minimum an Pflege bekommen: Alle drei Jahre einen Ölwechsel und neue Kerzen + 1 Wäsche im Frühjahr. Im Prinzip war er mit Ausnahme eines festen Bremssattels und der Wegfahrsperre ein Defektverweigerer. 😉

    Allerdings sind 95 % meiner üblichen Fahrtstrecken unter 15 km (hin und zurück, 80 % sind sogar unter 10 km). Das mochte der Fünfzylinder gar nicht. Das mag eigentlich auch kein anderer Verbrennungsmotor! 😮

    Die logische Konsequenz aus der ergänzenden Anforderung, ab und zu auch 500 km fahren zu können war die Anschaffung eines gebrauchten Opel Ampera. In einem Smart Benziner oder einer Ente oder so habe ich mich einfach nicht gesehen – zumal diese „Wagen“ mit dem Anstieg aus dem Mittelrheintal in den Westerwald sicher ihre Probleme hätten. 😉

    Abgesehen vom Wertverlust ist der Ampera insgesamt sogar mit Vollkaskoversicherung und jährlicher Inspektion billiger als ein wenig gepflegter Audi 100! 😮

    PS: Hätte der Audi 100 eine umlegbare Rückbank gehabt, hätte ich ihn wohl noch bis zum endgültigen Motor-Ableben behalten. Draghis Geldpolitik und äußerst geringe Zinsen sind ein weiterer Faktor für die Kaufentscheidung gewesen.

    PPS: Das durchschnittliche Alter meines Fuhrparks ist gegenwärtig 35 Jahre – mit Audi 100 waren es 39 Jahre.

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    • Hallo Thorsten

      Opel Ampera, das wäre das einzige „Gutmenschenauto“ welches mich persönlich reizen würde. 🙂 Wie fährt er sich? Ja die nicht umlegbare Rückbank stört mich auch am Audi…
      Mein Durchschnittsalter ist 31

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      • Moin,

        den Ampera habe ich nicht aus Gründen des Umweltschutzes gekauft, sondern weil mit Verbrenner auf den Kurzstrecken leid getan haben! Ein weiterer Grund waren die gefühlten 35 Benzinpreisänderungen am Tag! 😉

        Nun, wie fährt sich der Ampera? Die ersten fünf Wochen mit dem Wagen habe ich jeden Tag eine komplette Batterieladung aus purer Lust an der Freude in Vortrieb umgesetzt. 370 Nm aus dem Stand – das war wie eine Sucht. Sehr oft hört man von Ampera-Fahrern Worte wie „Der Ampera hat für mich den Spaß am Autofahren zurück gebracht!“. So weit würde ich nicht gehen. Aber der Ampera hat bei mir zumindest den Spaß am alltäglichen Autofahren zurück gebracht. Auf kurvigen Landstraßen und bergauf (mit gefüllten Batterien) ist er wirklich geil. Autobahnfahrten haben aber durchaus ihre Längen. Zwar gibt es nicht mehr viele begrenzungsfreie Autobahnstücke, aber wenn so ein Ding vor einem liegt, würde ich schon gerne schneller als 169 km/h fahren. Allerdings betraf das in den vergangenen 5.000 km vielleicht 8 km … also eine irrelevante Strecke im Promillebereich der Gesamtdistanz.

        Wenn mir der Ampera morgen zusammengefahren werden würde, wäre mein nächstes Auto ohne wenn und aber wieder ein Ampera … oder ein Ampera-e … 🙂

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