Wie ich zum Sechzehnventiler kam

Bestimmt haben sich einige Leser bereits gefragt was es mit diesem kryptischen Namen 2010341A auf sich hat? Das ist schnell erklärt. Dahinter verbergen sich die ersten acht Stellen der Fahrgestellnummer eines Mercedes-Benz 190E 2.3-16. Baureihe „201“, Baumuster „034“, Linkslenker „1“, gebaut in Sindelfingen „A“. Wie aber bin ich bei diesem Fahrzeug gelandet?

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Es muss um das Jahr 1994 gewesen sein. Die neue C-Klasse hatte gerade erst ihr Debüt gefeiert und kam nach dem Klasse 1 Reglement aufgebaut in der DTM zum Einsatz. Jörg van Ommen gab beim Mercedes-Benz Vertreter Jürgens eine Autogrammstunde und auf einem Evo II, der zum Fahrsimulator umgebaut war, konnte man die Nordschleife unter die virtuellen Räder nehmen. Im Alter von 11 Jahren war für mich der alter 190er völlig uninteressant. Mit der C-Klasse konnte er optisch und beim Quartettkartenspiel nicht mithalten. Bewusst erinnere ich mich erst ab der DTM-Saison 1994 an die Rennen, in denen die Evo II und Klasse 1 190er „nur“ noch von den Privatfahrern pilotiert wurden. Mit den Erfolgen der Jahr für Jahr weiterentwickelten C-Klasse geriet der 190er bei mir mehr und mehr in Vergessenheit. Meine Eltern fuhren zwar zu dieser Zeit einen 190E 1.8 als Alltagswagen, mehr war es für mich aber auch nicht.

190E 2.5-16 Evo II

190E 2.5-16 Evo II

Einige Jahre später, als ich mir Gedanken über das erste eigene Auto machte, kam nur ein „kleiner“ Mercedes für mich in Frage. Aus heutiger Sicht war es ein glücklicher Umstand, dass weder die C-Klasse, noch die damals recht frische A-Klasse ins Budget passten. Nach intensiver Suche, noch ohne Internet, wurde es ein 190E 2.0. Soweit nichts besonderes, doch damit wurde das Interesse an der Baureihe W201 neu geweckt. Nach und nach begann ich mich mit den technischen Besonderheiten, Motor- und Getriebevarianten, sowie den Sonderausstattungen auseinanderzusetzen. Wohl jeder Automobilenthusiast schaut bei seiner Lieblingsbaureihe nach den Topmodellen. Und so gerieten die Sechzehnventiler in meinen Fokus. Ohne jemals mit einem Wagen gefahren zu sein, dachte ich mir ein Evo II sollte es sein. In meiner jugendlichen Naivität hatte ich mir damals keinerlei Gedanken über das Thema Ersatzteilversorgung und Unterhalt eines Evolutionsmodells gemacht. Mit dem Sparen hatte ich jedoch bereits angefangen und weiter Informationen gesammelt.

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Damit fing alles an

Durch eine glückliche Begebenheit bin ich in dieser Zeit an einen Audi Ur-quattro gekommen, der die Pläne für einen Sechzehnventiler erst einmal durchkreuzte. Auf dem Mercedes-Benz W201 16V Club war ich bereits aufmerksam geworden, hatte aber noch keinen Kontakt hergestellt, da die Anschaffung eines Sechzehnventilers auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Bei der Teilnahme an einer Youngtimer-Rallye lernte ich ein Mitglied kennen, der mich gleich auf den Stammtisch Stuttgart einlud. Auch ohne eigenes Auto war ich fortan regelmäßiger Gast und konnte alle meine Fragen, die sich in den Jahren zuvor angesammelt hatten, beantworten lassen. Im Laufe vieler Gespräche wurde mir klar, dass der Evo II nicht das Auto sein würde, nach dem ich suchte. Meine Suche verlagerte sich quasi an das andere Ende der Sechzenventiler-Enwicklungsgeschichte. Ein früher 2.3-16 in Standardausführung sollte es nun werden.

Eröffnungsrennen Nürburgring 1984

Eröffnungsrennen Nürburgring 1984

Ohne mich mit den Gepflogenheiten des Gebrauchtwagenhandels bestens auszukennen, sprang ich ins kalte Wasser und begann mir Autos in der näheren Umgebung anzusehen. Schnell realisierte ich, dass es nicht so einfach werden würde, wie ich anfangs dachte. Wie viele Autos es letztendlich waren, die ich besichtigte, weiß ich heute nicht mehr genau. Aber es waren auch solche dabei, bei denen es nicht einmal mehr zu einer Probefahrt kam, da die Inaugenscheinnahme bereits fehlende Teile, rostige Radläufe, ruckelnde Motoren oder nicht funktionierende Sonderausstattungen offenbarte. Alles was in der Kaufberatung an Abgründen gelistet war, fand sich in der Realität wieder. Die Sechzehnventiler waren noch nicht auf dem Weg zum gesuchten Klassiker, sondern standen oft in dritter und vierter Reihe zwielichtiger Gebrauchtwagenhändler. Fand sich doch einmal ein gepflegter Wagen, waren solche Änderungen vorgenommen wurden, dass eine Rückrüstung in den Stand der Werksaulieferung unattraktiv war.

Mein erster Sechzehnventiler

Mein erster Sechzehnventiler

Bemerkenswert war der Umstand, dass das Angebot an 2.3-16 in ECE-Ausführung immer sehr überschaubar war. Egal ob verbraucht oder gepflegt, es wurden fast keine Fahrzeuge angeboten. In Ermangelung an Angeboten kaufe ich in meiner Verzweifelung einen 2.5-16 in der Schweiz für einen äußerst attraktiven Preis. Nach kurzer Zeit, musste ich feststellen was ich eigentlich schon wusste. Der günstige Kauf ist später immer der Teurere. Der Wagen wäre mit vertretbarem Aufwand zu einem guten Alltagswagen mit dem einen oder anderen Schönheitsfehler geworden. Aber das war nicht was ich haben wollte. So trennte ich mich nach kurzer Zeit wieder von dem Wagen.

Das ist er nun geworden

Das ist er nun geworden

Mittlerweile hatte es sich im Club herumgesprochen, dass ich auf der Suche nach einem 2.3-16 war. Je früher das Baujahr, umso besser. Die lange Wartezeit, es waren fast vier Jahre vergangen seit dem ich die ersten Fahrzeuge angesehen hatte, sollte sich auszahlen. Ein Verkäufer bot seinen Sechzehnventiler über den Club an. Schnell wusste ich, dass es nun eine ernsthafte Chance gab einen guten Wagen zu ergattern. Er entsprach meinen Vorstellungen. Baujahr 1985, zwei Vorbesitzer und der Pflegezustand war bereits auf den Bildern hervorragend. Die Tatsache, dass der Wagen rund 600km von meinem Wohnort entfernt war, brachte mich nach der lange Suche nicht aus der Ruhe. Mit dem Geld und einer Hin- und Rückfahrkarte für die Bahn war ich für alle Eventualitäten gerüstet. Doch der Wagen enttäuschte nicht. Auf der Rückfahrt stellte sich ein Dauergrinsen ein, das noch den ganzen Tag anhielt. Wie der Zufall es wollte, meldete ich den Sechzehnventiler exakt 24 Jahre nach der Erstzulassung auf mich an und das Grinsen ist auch heute noch jedes mal da, wenn ich den Zündschlüssel drehe. Seit Kurzem mit dem offiziellen Segen als historisches Kraftfahrzeug.

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