Reise von Denver nach LA im Winter Teil 1

Den Westen Trumpaniens habe ich bereits zweimal intensiv bereist, allerdings ist das letzte Mal bereits wieder 10 Jahre her. Mit der Geburt der Kinder waren erstmal geographisch näher liegende Ferienziele angesagt. Ich wünschte mir schon lange, die Rockies im Winter zu sehen, den Schnee wie wir ihn in diesen Massen fast nur von Hollywood-Filmen kennen. Nur soviel vorweg, ich wurde nicht enttäuscht. Klar, man kann Amerika wie aktuell beliebt verfluchen aufgrund des Präsidenten oder weil man mal irgendwo auf einer Gratis-Newsseite was von einer Sammelklage gelesen hat. Mangelnde Intelligenz der Amerikaner wird so gerne ins Feld geführt wie Verbrauchsdiskussionen beim Erbklicken eines amerikanischen Autos. Wer aber den Amis und ihrem Land die gleiche vorurteilsfreie Betrachtung während seiner Reise zugesteht wie allen anderen Ländern, kann viel Neues entdecken. Richtigen Kaffee zum Beispiel, aber nicht nur.

Nun konnte ich dank dem Hütedienst meiner Frau wieder eine Amerikareise planen, zusammen mit einem guten Freund und gleichzeitig meinem Mechaniker erster Wahl. Meinen Karosseriespengler erster Wahl trafen wir später in LA. Hier verbringt er jeweils die Festtage und den Januar auf der Suche nach Erholung und guten Autos welche er in die Schweiz holen kann und nach entsprechenden Arbeiten verkaufen als Veteranen.

Die Hinreise erfolgte von Zürich über Frankfurt und dann weiter mit dem Lufthansa Jumbo nach Denver. Als Mensch, welcher bevorzugt mit Fortbewegungsmitteln älteren Baujahres unterwegs ist, war dies natürlich eine willkommene Art, den grossen Teich zu überqueren.

In Denver angekommen gestaltete sich die Einreise problemlos, ganz im Gegensatz zu dem nicht angekommenen Gepäck. Dies zwang uns zu einer zweiten Nacht im Westen Denvers in Wheat Ridge im Motel Super 8. Das Gepäck wurde dann gut 30 Stunden später dorthin geliefert, die Kosten für die um 9pm im Walmart gekauften Unterhosen etc. übernahm Lufthansa kulant. Daher gingen wir nun leichten Gepäcks zur Busstation der Mietwagenfirmen und liessen uns zur Vermietstation chauffieren wo unser GMC Yukon 5.3 bereits auf uns in der Kälte wartete. Mit seinen gut 29’000mls auf dem Tacho sind wir wohl die letzten Mieter vermute ich, auch da wir den Wagen ausserhalb seiner Zulassung abgeben. Nach dem Stop beim Walmart ging es direkt ins Hotel und ins Bett, verpflegt waren wir schon vom Flug her.

Für den nächsten Morgen planten wir eine Rundtour südwärts zum Pikes Peak und nach Colorado Springs. Den Hinweg wählten wir etwas westlich über die Berge, den Rückweg über die Interstate östlich von Colorado Springs wieder nordwärts nach Denver. Mir war vorher nicht bewusst, dass sich sogar Denver bereits auf einer 1600m hohen Ebene befindet (one-mile-city) und ab der westlichen Stadtgrenze dann die richtigen Berge beginnen.

Kurz nach Denver auf der ersten Anhöhe machten wir kurz Rast. Mein Freund und Mechaniker wollte sich aufgrund des sehr dezenten Sounds davon überzeugen, ob da wirklich 8 Zündkabel vorhanden sind. Dass wir bei Stinker hielten, bemerkte ich erst beim Betrachten der Bilder. Meines Wissens verfüg der GMC selbstverständlich über eine zeitgemässe Abgasreinigungsanlage. Aufgrund der einfachen Konstruktion dieses Saugmotores nehme ich an, dass seine Abgaswerte zu den besseren gehören. 🙂

Beim Country Store deckten wir uns mit allem wichtigen ein, Beef Jerky, ein aktueller Road Atlas, Kopfbedeckungen (welche im Koffer waren…) sowie Souvenirs des ländlichen Amerikas. (Sticker)

Erstaunlich wie schnell man von einer Grosstadt in ländlicher Idylle ankommt. Für meinen Begleiter waren dies nun die ersten Amerika-Eindrücke bei Tageslicht.

Der GMC fuhr sich vorzüglich, ein bequemes Reisemobil mit genügend Platz- und Leistungsreserven.

Schnee lag an diesem Tag noch nicht viel, es gab mal Ende Oktober eine beachtliche Menge, davon war aber nicht mehr allzuviel übrig.

Eine Veteranenhalle mit Rollstuhlparkplatz direkt davor, da werden natürlich Vorurteile vieler Europäer bestätigt. Wir haben damit kein Problem und haben uns an der schönen Lage und der Flagge erfreut als Fotokulisse.

 

Eingang zum Pikes Peak, einem 4300m hohen Berg welcher durch eine mittlerweile durchgehend asphaltierte Strasse erschlossen ist. Der Berg ist der höchste auf weiterer Flur und erlaubt einem damit ein ganz spezielles Bergerlebnis. Besser bekannt ist das „Race to the clouds“ bei welchem zum Beispiel auch ein gewisser Herr namens Walter Röhrl schon beeindruckende Zeiten auf dem Weg zu den Wolken fuhr.

Stetig geht es bergauf, bald lässt man die Baumgrenze hinter sich. Ich muss zugeben, auf dieser Höhe war ich ausser in Flugzeugen noch nie, geschweige denn in einem Auto. Der GMC kam aber tadellos klar mit der Höhe, dem starken Wind und den kalten Temperaturen. Diese wurden uns erst beim Verlassen des Autos auf der „Passhöhe“ bewusst, ebenso die dünne Luft als wir ins Bergrestaurant flüchteten.

Leitplanken sind Fehlanzeige, daher sind wir nicht böse, können wir uns mehr Zeit lassen als der genannte bayerische Mitbürger damals in den wilden 80ern.

Nein, normalerweise stehen wir nicht auf dem Behindertenplatz (normalerweise ist das Vorkommen von Parkplätzen auf 4300m über Meer sowieso unwahrscheinlich), das Foto aber musste sein. Es handelt sich hier um ein klassisches Angeberphoto, wir haben nichts gemacht als an einem stark servounterstützen Lenkrad gedreht und etwas Gas gegeben. Für Schweizer mit Bergerfahrung wahrlich kein Ding. Aber wenn man es schonmal auf den Pikes Peak schafft, ist Jungs dieser Übermut zu verzeihen.

Szenenwechsel: Am Fusse des Pikes Peak befindet sich der Nordpol, ein Vergnügungspark und Einkaufszentrum zum Thema Weihnachten (selbstverständlich ganzjährig geöffnet, die nächste Weihnacht kommt bestimmt). Da es für uns Bünzlis in die Jahreszeit passte, besuchten wir zumindest den Shop.

Unweit des Pikes Peak befindet sich Colorado Springs, ein wohlhabendes Touristenstädtchen welches einen kleinen Abstecher wert ist. Das Ortsbild ist gepflegt und es gibt überall Cafés und kleine Läden.

Alte Audis sind in Amerika sehr selten anzutreffen, die besten Chancen hat man merkwürdigerweise rund um Colorado Springs. Das haben wir schon 2008 festgestellt, als wir im gleichen Ort bei einem Besitzer 2 4000S quattro sahen (und hörten).

Wir machten uns auf den Rückweg nach Denver über die I-25. In der Stadt besuchten wir noch einen Oldtimerhändler, welcher seine bunt durchmischten Autos in einer riesigen Halle anbietet. Zwischen Zustand 1-2 und 4 ist alles zu finden.

Am nächsten Morgen machten wir uns schon früh auf um endlich tiefer in die Rockies zu kommen. Schon am Vortag warnten uns die Hinweistafeln auf der I-25 und I-70 über „Winterstorms in mountains“. Jetzt waren wir gespannt. Unser Weg führte uns heute von Denver nach South Fork über Gunnison.

Tatsächlich, kurz hinter Denver sahen wir, dass es über Nacht etwas geschneit haben musste. Momentan war es zwar etwas rutschig, aber doch ordentlich fahrbar.

Richtung Westen verdunkelte sich der Himmel zusehends, eine schöne Stimmung mit der Sonne welche im Osten aufgeht und die Szenerie merkwürdig erhellt.

Kurz nach diesem Bild fing es an zu schneien, nicht ein bisschen sondern richtig, das bei Temperaturen um -10 Grad, wir brauchten uns keine Sorgen über Matsch zu machen. Als wir es uns so wohlig warm im Auto eingerichtet haben mit Sitz- und Lenkradheizung sahen wir einen Schrottplatz. Erst auf den zweiten Blick war uns klar, dass das ein sortenreiner Schrottplatz ist von Fahrzeugen der Marke „International„. Wir klopften an um zu fragen, ob eine Begehung mit Fotoapparat erlaubt sei. Wir wurden sogleich hereingebeten und einen Augenblick später hatten wir beide eine Tasse heissen Kaffee in den Händen. Dabei erzählten uns die beiden Herren die Geschichte dieses Schrottplatzes. Der Ältere der beiden arbeitete im Werk in Chicago bis 1980. Danach mit dem Ende der Autoproduktion siedelte er um nach Colorado und transportierte seine bisherige Teilesammlung in 4 Schulbusladungen. Bis jetzt kauft er mit einem jüngeren Angestellten laufend Autos auf und schlachtet diese. Teile können bei ihm gekauft werden, aber nur analog. Er ist per Post und per Telefon erreichbar, Computer gibt es in diesem mit einem Kohleofen beheizten Schuppen nicht. Für uns war es eine Zeitreise, im alten Röhrenfernseher welcher noch mit Zierholz eingekleidet war, lief ein alter Western bei gefühlten 30 Grad dank des Ofens. Uralte Kühlschränke ebenfalls von International dienen ihm bis heute. Der fleckige Scout ist ein Alltagsauto.

Ein ganz exklusives Sofa, die schlechte Bildqualität bitte ich zu entschuldigen. Die Ergriffenheit des Fotografen war hoch, das Licht eher mau.

Es ist auch offensichtlich, welche (ehemaligen) Präsidenten in der Gunst des Besitzers stehen.

Diese Militarias stammen von einem abgestürzten B-52 Bomber welcher während des Krieges abstürzte und anscheinend in den Bergen liegen gelassen wurde. Aus lauter Jux hat er das Wrack mal besichtigt und einige Erinnerungsgegenstände mitgenommen.

Nun aber raus, schliesslich wollten wir den Platz auf Bildern festhalten. Ganz so unordentlich wie es hier scheint ist der Platz nicht, die weiteren Teile sind einigermassen sortiert, für US-Verhältnisse sogar perfekt.

Abschlepper, in Betrieb.

Besagter Bus welcher 4x zwischen Chicago und Colorado fuhr, jetzt einfach abgestellt seit damals, typisch amerikanisch.

Nach diesem sehr sympathischen Besuch geht es weiter Richtung Westen und Richtung Schnee.

In Jefferson, im middle of nowhere

In Fairplay tankten wir, was sich definitiv empfiehlt, sollte man mal in einer Schneeverwehung landen ist genügend Benzin sicher von Vorteil.

Kurz davor überholten wir einen alten Dodge Pickup, von denen hats hier ja unzählige. Aber auf den zweiten Blick entpuppte sich der Wagen als „Lil red express truck“, 1978 schnellstes in den USA produziertes Auto mit 225hp. (da trucks, damit sind auch Pickups gemeint, keine Katalysatorpflicht kannten)

Zwei ältere Herren mussten diesen sowie einen anscheinend noch besseren im Anhänger überführen und wurden vom Schnee überrascht.

Downtown Fairplay, eine richtige Wildwest-Stadt ohne übermässig touristisch zu sein.

Und was sieht man auf einmal am Strassenrand tief verschneit? Einen 4000S quattro, sicher das ideale Spielzeug für dieses Wetter.

Historisches Schneeräummaterial at work.

Nach den gut 3000m Meter Meereshöhe führt die 285 wieder ins Tal nach Johnson Village wo nur wenig Schnee lag. Dieser Laden hier bietet Modellautos, die Schmückung verspricht aber mehr als das Angebot im Haus.

In Poncha Springs biegen wir ab auf die 50er Richtung Monarch Pass, welcher uns wieder auf 3447m bringt.

Nach dem Pass erreicht man Gunnison, besser bekannt für den Nationalpark „Black Canyon of the Gunnison“. Aber auch die Stadt ist es wert, zu Fuss erkundet zu werden…

…um danach im gepflegten Kaffee aufzuwärmen.

Ab Gunnison wählten wir eine Nebenroute, die 149 via Lake City nach South Fork führt in der Hoffnung, entweder in Lake City oder in South Fork eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden.

In Lake City angekommen stellten wir erstmal fest, dass „City“ für die paar Häuser etwas hoch gegriffen ist. Übernachtungen werden nur im Sommerhalbjahr angeboten. Die erblickten Wildtiere lassen auf eine geringe Störung durch Menschen schliessen… Nach dem Verlassen des Ortes sahen wir bei der nächsten Passrampe die Schilder „no winter services between 7pm-5am“. Es war bereits kurz nach 5pm. Unser GMC schaffte den verschneiten und darunter teilweise gefrorenen Übergang aber gut, die gefühlten 2 Tonnen müssen einfach sanft bewegt werden.

In South Fork angekommen erblickten wir schon bald dieses schöne Schild aus den 70ern. Das Rainbow Motel ist tatsächlich auch bis in die Zimmer unverändert aus dieser Zeit inklusive der sicht- und hörbaren Gasheizung.

Das Old Firehouse ist zum Abendessen ein Empfehlung wert.

Dorfplatzschmückung.

Weiter zu Teil 2

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