Ein Besuch am Porscheplatz

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Lust auf Spezialitäten aus dem Porsche-Museum? Kommen Sie mit!

Es riecht nicht! Kein Tröpfchen Benzin in der Luft. Gekühlt – ach gekühlt ist es schon. DAS Museum in Zuffenhausen, in Schwaben, muss Mann besucht haben. Vorausgesetzt, man schätzt Luftkühlung. Aber es riecht nicht, dabei stehen dort Träume, Triumphe und etwas Tragik, allesamt aus der goldenen Ära des Verbrennungsmotors. Ein Hauch Benzindampf oder warm-erdiger Oeldunst, der um die vergangenen Sporthelden wabert, wäre doch passend…?

Nicht ganz. Sogar Porsche verschreibt sich der Elektrik. Ganz früh schon (1890er-Jahre) und heute wieder, zB mit dem Supersportler 918 Spyder. Fortsetzung folgt. Also alles ganz clean und modern.

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Elektrifizierte Kutsche. Ein ingeniöses Frühwerk des Stammvaters

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DEN Porsche kennt jeder. Ein Umriss der 50jährigen Evolution muss genügen, im Museum ist „911“ beleuchtungsanimiert. Darum folgen hier die interessanteren Stücke, die fast vergessenen und nur versuchten. Den Rest bitte selbst anschauen, der Eintritt kostet praktisch nichts und bei Anreise mit dem öffentlichen Nahverkehr noch weniger. Familien überlassen ihre Kinder mit Vorteil einer Führung: Knirps-gerecht werden sie kurzweilig in die Porschewelt hineinbegleitet. Die Erwachsenen nehmen jetzt den Audioguide. Vielleicht schauen sich zuerst mal in der Sonderausstellung „Transaxle“ um.

Los geht’s mit dem Anfang der Geschichte. Aus Aluminium, roh lackiert. Typ 64: das erste Porsche-beschriftete Auto, quasi Ferry Porsches handgedengelter Blechtraum. Damit beginnt die eigentliche Porsche-Geschichte. Sie hat gleich mit Rennen zu tun. Und basiert auf dem Käfer.

Eigentlich ist alles Käfer, was ein früher Porsche ist, nur besser. Ist jetzt ein Käfer auch schon ein Porsche? Jedenfalls steht da einer gleich nebenan.

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Turbo ist auch Porsche. Ganz früh schon. Den ersten für die Strasse durfte Louise Piëch, geborene Porsche, ausfahren. Durch den Turbohammer ins rote Schottenkaromuster gedrückt, wird sie über das Fahrverhalten den einen oder anderen Schweisstropfen vergossen haben. Gleich nebenan steht ein ganz schöner, in dunkelgrünes Blech gehüllter 911. Dem frühen Serien-Turbo sieht man seine Power fast nicht an, so zierlich und lieb schaut er heute aus.

 

Apropos Power: wie hätte sich denn so ein Achtzylinder-914 angefühlt? Eine ganz dreiste Idee, dem Einsteigermodell soviel Muskeln einzubauen. Unauffällig steht das starke Einzelstück da. Seine Form mag ich. Viele nicht. Darum ist er fast vergessen.

In den 1990ern wurde dann alles ganz anders.  Ferry Porsche starb, sein Erbe befreite sich von der Luftkühlung. Mit Hilfe eines gewissen Herrn Wiedeking, CEO, befreiten sie sich später auch vom Begriff eines reinen Sportwagenherstellers.

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Erstes Resultat der Befreiung waren Spiegeleier, in Form und Farbe ungekochte, verlaufene. Vorne zu finden am 1996 vorgestellten Modell Boxster, wassergekühlt, Mittelmotor, neuer Innenraum. Fast nicht zu glauben, dass sich soviel neues so gut verkauft und das Unternehmen retten geholfen hat. Obwohl Spiegeleier nicht zu einem Porsche passten, fanden die Fans. Und kauften trotzdem. Auch den neuen 911, wassergekühlt, gewachsen, gezähmt. An ihm sehen wir später noch die Evolution der Spiegeleier. Vorerst sahen wir aber noch ein Auto-Kino namens Cars. Im Film dabei: ein animierter 911 mit Mündchen, was die Ingenieure in einer Juxstunde ins Blech umsetzten. Lustig…

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Darf ich vorstellen? Mein Name ist Sally Carrera…

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Vergleich: leicht aber wirkungsvoll veränderte Proportionen. Das „Cars“-Modell ist fahrbar.

Kennen Sie den ersten Diesel von Porsche? Nein, doch nicht den Cayenne, auch wenn dieser punkto Zugkraft eine gewisse Verwandtschaft nicht leugnen kann. Der erste Diesel ist der mutmasslich langsamste Porsche ever. Gut verkauft damals und heute ein Must-Have bei ernsthaften Sammlern der Marke: der Porsche-Schlepper. Gleich daneben: ein wunderschöner Speedster mit der kleinen Kapuze. Der macht sich ganz flach, zeigt seinen schönen, leicht molligen Rücken.

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Dass die POlizei ein Stück POrsche im Namen trägt, aber selten einen solchen fährt, liegt neben dem engen Innenraum wahrscheinlich auch im öffentlichen Haushalt begründet. Man hatte aber in der Firma ein Einsehen und verschenkte mal einen an die Stuttgarter Beamten. Genauer: den einmillionsten produzierten Porsche. Einen 993, den letzten luftgekühlten.

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Überall lassen sich ausserdem kleine Schauboxen finden, die einem Themen näher bringen. So wird auch erklärt, woher der Name „Carrera“ kommt: von einem früheren Langstreckenrennen, der Carrera Panamericana. Daran hatten sich die Luftgekühlten erfolgreich beteiligt, unter anderem mit diesem Spyder, der ein herrlich rotes Lenkrad trägt.

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Soviel Geschichte muss sich setzen. Am besten mittels einem Espresso an der Bar vor der Glaswand der Classic-Werkstatt. Dahinter werden Museumsstücke und private Liebkinder gehegt und fahrbereit gehalten. Dass man hineinsehen darf, ist auch ein schönes Detail des auf alle Arten überzeugenden Hauses mit seiner gelungenen Gestaltung.

dsc00626dsc00628 Analog den Fahrzeugen ist die Architektur hochwertig. Jede Ecke sauber gezeichnet, durchdachte Inszenierung der Ausstellungsstücke und eine Gastronomie, die den Namen verdient. Das Haus ist nicht vollgestopft, sondern präsentiert in verträglicher Menge professionell seine Sammlung.

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Porsches beeindruckende Rennpokalsammlung

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Darauf legen sie Wert: keine Tricks, keine Kosmetik.

Zeit, nach Hause zu gehen. Wetten, dass der Museumsbesuch auch in der Museums-eigenen Tiefgarage weitergeht? Reinäugen…. Tatsächlich. Geschichte fährt!

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Ich war aber mit dem Zug da. Grund: mein Oldie war gerade in der Werkstatt. Ich brauche mehr Luftkühlung, dafür muss der lästige Benzingeruch im Innenraum bei offenem Fenster weichen. Wie war das schon wieder mit dem Riechen…? Ach, alles zu seiner Zeit! Zum Schluss noch ein paar schöne Details.

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Der erste und einer der momentan teuersten „Bürzel“

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356 Polizei-Cabrio, Polizei Stuttgart

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Welche Farbe!

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4 Gedanken zu “Ein Besuch am Porscheplatz

  1. Super geschrieben, Chapeau! Prinzipbedingt ist das Porsche-Museum für mich auf jeden Fall das zweitbeste Automobilmuseum in Stuttgart. 😉

    Meinst du wirklich, dass die goldene Äre des Verbrennungsmotor bereits vorbei ist? Vielleicht hatten Verbrennungsmotoren früher das, was wir heute Emotionen nennen. Tolle Verbrenner gibt es aber auch heute noch. Gerne kann ich hier auf dem Blog mal ein paar Beispiele präsentieren.

    Gefällt mir

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