Cadillac Seville – eine Alternative zur S-Klasse W126?

Cadillac stellt innerhalb des General Motors Konzerns die Luxusmarke dar. Während Buick noch den bürgerlichen Luxus verkaufte, war Cadillac erste Wahl für die arrivierten Teile der amerikanischen Bevölkerung. In Amerika also klar ein Lincoln-Konkurrent und in Europa und vorallem in der Schweiz im Speziellen eine Konkurrenz für Mercedes und Jaguar. Saloppe Frage; schafft es ein 1981er Cadillac einem gleich alten Mercedes 380SE das Wasser zu reichen?

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In der Schweiz waren Cadillac-Fahrer oft „Patrons“, verantwortungsvolle Leiter von Unternehmen vor der „Mänätscher und CEO“-Zeit. Leute, die genauso gut (und in Deutschland meistens) zur S-Klasse von Daimler oder zum Jaguar XJ hätten tendieren können. Der Cadillac ist per se ein Vollausstattungsfahrzeug, da gibt es keine Bauernausgabe mit Kurbelfenster und ohne Beifahreraussenspiegel oder ähnliche Scherze, wie sie bei Mercedes gerne getrieben wurden. Diese Art von Humor wurde ausserhalb Deutschlands in dieser Klasse oft nicht verstanden. Der Seville in der hier gezeigten zweiten Generation verfügt über ein eigenwilliges Design, Frontantrieb und einen 6 Liter V8 mit Zylinderabschaltung. Damit war er schon optisch nicht jedermanns Sache, der Vorgänger sowie der Nachfolger waren beliebter.

Basismotorisierung war ein V8 Diesel, das ist sicher bemerkenswert in dieser Klasse. In der Schweiz hingegen wurde meines Wissens nur der 6.0 V8 verkauft mit der erwähnten Zylinderabschaltung. Ein Steuergerät wählte zwischen 8, 6 oder 4 aktiven Zylindern. Der Bordcomputer zeigt an, wieviele der acht Freunde aktuell mitarbeiten. Leider setzte sich das System aufgrund diverser Probleme nicht durch, spätere Fahrzeuge hatten wieder einen konventionelleren Motor.

Link zum damaligen Prospekt 1 und 2

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Der Autor ist ein grosser Verfechter amerikanischer Fahrzeuge. Dieser Cadillac ist aber etwas anderes. Kein bollernder V8, keine ewig-lebenden aber in der Hitze bald klebrigen Vinylsitze. Sondern weiches Leder und ein säuselnder Motor erwarten den Fahrer, der Punkt Geräuschentwicklung geht im Stand klar an den Cadillac. Die Mercedes dieser Zeit waren keine Leisetreter. Was dann allerdings folgt, geht punktemässig grösstenteils an den Mercedes. Leistungsmässig ist beim Caddy mit den 140PS leider nicht viel zu erwarten, da läuft schon ein 280S deutlich besser. Dazu ist die Bremse grenzwertig. Damit möchte ich nicht den Testwagen (der war soweit technisch in Ordnung) schlecht reden, sondern die Abstimmung ab Werk. Es sind verhältnismässig riesige Pedalkräfte vonnöten um das Schiff abzubremsen. Das können bzw. konnten Konzernmarken bei GM damals deutlich besser. Vom genannten schwäbischen Mitbewerber ganz zu schweigen.

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Im Innenraum herrscht der Stil „Eiche rustikal“ vor. Die Sitzverstellung befindet sich teilweise in der Tür, teilweise am Sitz. Der Tempomat muss erst mit einem Kippschalter am Armaturenbrett aktiviert werden, danach steht er mit dem Lenkstockhebel zur Verfügung. Mercedes baute mit dem W126, abgesehen vom Multifunktionshebel, ein Auto, welches sich intuitiv bedienen lässt.

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Beim Cadillac ist der Innenraum aufwendig verschönert worden, allerdings klappriger als in Sindelfingen die Produkte ins lange Autoleben entlassen wurden.

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Die Front ist noch einigermassen bekannt vom Vorgänger und auch von ähnlich gestylten Fahrzeugen der Geschwistermarken Pontiac, Oldsmobile und Buick.

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Fazit: Die Antwort auf die etwas salopp gestellte Frage, ob der Seville einer S-Klasse das Wasser reichen kann, muss mit nein beantwortet werden. Der Cadillac Seville der zweiten Generation ist zwar ein bunter Vogel auf jeder Rallye. Er besticht gegenüber einer zeitgemässen S-Klasse mit dem Charme eines reichen und geschmacklich mutigen Onkels aus Amerika. Leider reicht es aber auch aufgrund der schwachen Motorisierung nicht, die Waage mit dem Mercedes auszugleichen. Dieser ist zwar viel nüchterner aber auch in Schwaben gibt es charmante Charaktere, allerdings zurückhaltendere, schaffende Naturelle. So hat auch der W126 durchaus seine eigenen Reize, abgesehen von seiner legendären Zuverlässigkeit. Der Cadillacfahrer bekommt aber ebenfalls alle benötigten Teile für den Unterhalt seines Wagens. Es empfiehlt sich hier der Anbieter „Caddy-Daddy“

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Ausgeglichener wäre vermutlich ein Test eines konventioneller gestalteten amerikanischen Automobils der siebziger Jahre mit etwas mehr Leistung wie z.B. dem Chevrolet Caprice jener Zeit gegen einen grossen Mercedes, Opel oder Ford.

Für das ausgesprochen schlechte Bildmaterial möchte der Autor um Verständnis bitten. Die Fahrt mit diesem Cadillac diente in erster Linie einer Kaufberatung für einen Bekannten und nicht für das Erstellen eines Artikels. Der Wagen steht in Zürich zum Verkauf, hier geht es zum Inserat.

 

 

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