Farben froh

Ausstellungsbericht „Farben!“ von Emil Frey Classics

Welche Farbe hat ihr Traumauto? Gelb wie ein Lamborghini Aventador? Blau wie ein Subaru WRX STI? Orange wie ein Alfa Romeo Montreal? In ihrer Vorstellung hat vielleicht ein Ferrari rot zu sein, ein Mercedes silber und ein englischer Klassiker dunkelgrün. Sind wir da voreingenommen? Und: ist die Autowelt wirklich so bunt? Dieses spannende Thema ist Teil der Ausstellung bei Emil Frey Classics in Safenwil, Schweiz. Die Schau spannt den Bogen vom Beginn des 20. Jahrunderts bis heute. Spoiler: bunt ist nicht generell. Dafür braucht es ein optimistisches Umfeld. Das ist zur Zeit nicht so und war es in weiten Teilen der letzten 120 Jahre ebenfalls nicht. Darum ist die aktuelle Automode weiss, schwarz, grautonig.

Die Anfänge des Automobilbaus waren vom Kutschenbau geprägt. Farbe hatte vorwiegend Schutzcharakter und schmückte das Objekt nur in Akzenten. Vorherrschend war schwarz. Qualität und Haltbarkeit waren beschränkt, die Trocknung dauerte länger. So zeigt diese Ausstellung auch eine Entwicklung der Autolacke, vom einfachen Öllack Anfang des 20. Jahrhunderts bis zu den modernen Mehrschichtlacken der Neuzeit.

Mir fiel besonders auf, wieviel freundlicher die Modelle mit bunten Lacken wirken. Pastelltöne der 1950er im Kontrast zu langweiligen Crème-Tönen der 1960er, ein modisches auf- und abfallen. Höhepunkt an Farbigkeit waren dann die 1970er, mit einem kleinen Revival in den 1990ern. Ausserhalb dieser Dekaden: Bonjour la Tristesse: weiss, grau, silber, schwarz. Wem’s gefällt…

Starten wir aber mit drei schönen Strassenszenen aus unterschiedlichen Zeiten, die die Unterschiede perfekt illustrieren:

Interessant: die typische Vielfalt des Schweizer Automarktes. Deutsche Marken dominieren nicht.

Starten wir den Rundgang durch die gepflegten Hallen. Die an diesem Tag übrigens schlecht besucht waren. So liess es sich perfekt fotografieren. Und: die einzige Absperrung zwischen Besucher und Auto war sein Respekt vor altem Blech. Daher dürfen auch Details von Nahem betrachtet werden. Das empfand ich als sehr vertrauensvoll und erfreulich!

Vorne: eine eigentlich weisse De Dietrich Voiturette. Das Blech ist durch den schützenden Kutschenlack vergilbt. Dahinter Ford T, Lack basiert auf schnell trocknendem Bitumen. Darum: nur schwarz erhältlich.

Die optimistischen 1920er – Nachkriegsjahre zeichnen bunt: Zweifarbenlack an einem Duesenberg

Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg: knappes Material, triste Farben. Dem 2CV alias Ente alias Döschwo half anfangs sein Mausgrau auch nicht zu mehr Aufmerksamkeit.

Raum gefüllt: offenbar hatte der Besitzer etwas grössere Kartoffelsäcke zu transportieren (Zubehör-Kofferklappe)

Revolutionäres Auto, appetitliche Farbpalette: damit macht die DS schon mehr her

…inkl. psychedelisch gemusterten Polstern

Rekord-verdächtig: ein Sondermodell „Ascona“ aus der und für die Schweiz (GM-Werk Biel). Wiederum Boom-Jahre, wiederum auffallende Farben in den späten 1950ern: der Zweifarbenlack steht dem Opel gut

Artverwandte: 1960 reichen die Löhne wieder für etwas Luxus, warum sich dann nicht eine metallic-gelbe Caravelle von Renault anlachen oder einen pastellblauen 190 SL?

Die Caravelle zeigt ihren Lack auch grosszügig im Innenraum

Erst Bonbonfarben….

…dann gedeckt: Zeitreise durch die 1950er und 1960er. Der rote E-Type hat eine nachträgliche Speziallackierung. Solches kommt in den 1960ern in Mode. In der Bildmitte ein seltener Vauxhall Cresta in einer zivilen Militär-Lackierung. Es handelt sich um eine ehemalige Offizierslimousine der Schweizer Armee. Auch interessant: der Farbton des dunkelgrünen Triumph GT6 heisst offiziell (nein, nicht „British Racing Green“!): Conifer.

1970er! Bunte Zeiten! Sport, sogar die kleine Austin-Limousine erhält ein GT-Modell in knalligem Rot. Den innovativen Matra 530 gab es nur in wenigen bunten Farben und die meisten von Alfas Montreal wurden in ….orange (!) verkauft. Grün metallic steht dem Gandini-Entwurf aber auch hervorragend.

Klappe, die zweite: die Heckscheibe lässt sich entriegeln

Details zum Verlieben: einer meiner Meinung nach der besten Bertone-Entwürfe.

…der aber noch von diesem geschlagen wird: Lambo Miura, hier der interessant unauffällige Türgriff

Lila Sause: MG in Serienfarbe!

In den 1980ern war die Lieblingsfarbe rot. Silber ist aber schwer im Kommen.

Das Braunmetallic des Sapporo war doch vor etwa 10 Jahren auch an BMWs zu finden, nicht? Der seltene Japaner hier in Topausstattung und -Zustand.

Man kann auch mal gar nicht lackieren: Edelstahl an der Tech-Ikone De Lorean. Ein typisch sauberer Giugiaro-Entwurf, man vergleiche mit dem BMW M1…

Da ist der Lancia Montecarlo von Pininfarina daneben deutlich verspielter, mit interessanten Details

…wie den verglasten Hecksäulen.

Auch ein Trend der 1980er: Folierung, hier noch etwas Hippie-artig beim scharfen Fiat Ritmo…

…oder dezent beim Sondermodell des kleinen Kraxlers.

Die Farben kehren (nochmals) zurück: die 1990er waren bunt!

Sogar Mercedes peppt sich auf und liefert den späten 190er beinahe frivol fröhlich

Neuzeit: Opels Mokka (vorne) zitiert die 1970er in grün, allerdings mit glänzend-schwarzer statt matter Haube. Ob die schön spiegelt?

Ausserhalb der Sonderschau, aber passend: ein typisch gelber Landy als Schlepper der Schweizer Post. Damit zog man die mit Post gefüllten Handwagen zwischen Bahnverlad und Postgebäude hin und her.

Wie dieses Mal auch, verblüfft Emil Frey Classics regelmässig mit guten Ausstellungen in angenehmer Atmosphäre. Das Haus bietet auch ein kleines Restaurant mit Shop an. Der Besuch lohnt sich, der Schweizer Museumspass oder die Bankkarte von Raiffeisen Schweiz wird kostenfrei akzeptiert.

Alle Fotos: Autor

https://autosleben.com/2019/05/03/ausstellung-40-jahre-subaru-schweiz/

 

https://autosleben.com/2017/07/03/vor-50-jahren-die-schweiz-entdeckt-toyota/
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