Me & a SUV – Fahrbericht Opel Grandland X

Ein SUV? Ergibt das tatsächlich Sinn?
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Vorurteile sollte man ab und zu hinterfragen. Nun, meine Liebe zu den hochgeschossenen Blechtrumms hält sich in engen Grenzen. Ich sehe einfach nicht ein, wieso plötzlich Millionen von Menschen den Gedanken „Offroad“ ausleben wollen. Wofür sonst ist so ein SUV gemacht?

Ein Opel also, relativ frisch auf dem Markt, sollte getestet werden. Opel hat eigentlich keine SUV-Tradition. Eigentlich: diejenigen, welche nun laut „Frontera“ schreien, sollten sich an die Isuzu-Basis erinnern. Nein, Opel lebt von Kompakten und war zu besten Zeiten einmal eine Oberklasse – Alternative. Heute ist ja aber bei Allen alles anders und darum leistet sich Opel drei SUV-Reihen. Der Grandland X ist dem Namen entsprechend der Grösste.

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Aussen.
Die Umrundung dieses Autos zeigt keine Überraschungen. Dezent, aber sauber gestylt, soll der „grosse“ Opel solventere „Midager“ ansprechen (mich?). Dazu passt auch die Allerweltsfarbe, die leider die herausgearbeiteten Details überdeckt: das schwebende Dach über der C-Säule, die abgesetzten Seiten- und Heckblenden. Es gäbe auch die LED-Lichttechnik vorne. Dieser hier besitzt braves Halogenlicht. Immerhin umrahmt von den Opel-typischen LED-Tagfahrlichtwinkeln.

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Innen.
Einmal aussitzen, bitte! Tatsächlich sind wahrscheinlich die Sitze das Highlight des Autos. Vielfach verstellbar, passen sie sich hervorragend dem Körper an. Zusammen mit der guten Übersicht nach vorn lassen sich im Grandland tatsächlich erste Vorurteile gegenüber SUVs aussitzen. Bequem erst noch. Das grundsätzliche Platzangebot geht für ein 4,5-Meter-Auto in Ordnung, ist aber nicht üppig. Dafür kann man das über die Ablagen sagen: Form, Menge und Inhalt derjenigen ist grossartig. Kleiner Abstrich bei den Türfächern, welche zu schmal geschnitten sind.

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Ansonsten: typische Opel-Innengestaltung. Ist mir etwas zu brav geraten. Frech dafür ist die Ladehöhe. Während der ganzen Testzeit hat das Beladen des Kofferraums keine Freude gemacht. Die Kantenhöhe von 79 cm ist für Durchschnittsmenschen einfach zu hoch. Dazu kommen die Minuspunkte innere Ladekante und die unpraktischen Griffe um die hintere Klappe zu schliessen. Die ist trotz Kunststoffbauart schwer und wehrt sich kräftig gegen den Schliessvorgang. Opel, geht das nicht besser?

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Pluspunkte: verstellbares Ladeboard mit Zusatzfach darunter. In der oberen Stellung macht es einen perfekt ebenen Boden, wenn die Rücksitze flach fallen.

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Fahren.
Schöne, echt analoge Instrumente mit einem angenehmen Lederlenkrad! Danke dafür, das freut den Fahrer. Auch die übrigen Bedienteile sind durchdacht. Nebst dem Touchscreen für Audio und Kommunikation lassen sich Teile der Klimatisierung auch per Schalter regeln. Insgesamt findet man sich schnell zurecht, was für ein 2018-Auto schon überdurchschnittlich erwähnenswert ist. Also starten, den Hebel auf „Drive“ und eben dies tun. Der Motorsound trügt: was da vorne wie ein leicht rauer V6 tönt, ist in Wahrheit der kleine 1200er-Dreizylinder von Peugeot. Wer mal in den Neunzigern den damals neuen Opel-2,5er V6 fuhr, wird sich an die Ähnlichkeit akustisch erinnern. Auch punkto Durchzug: praktisch ohne Turboloch geht der Grandland sogar mit dem kleinen Benziner ab. Leistungsmangel ist eigentlich kein Thema, bis die Fahrt zur Autobahn führt. Dort geht dem 130-Pferder dann etwas die Kraft aus, was man am häufigen Gangwechsel der Sechsgangautomatik merkt. Richtig störend ist das aber nicht, denn der softe Charakter des Fahrwerks lädt zusammen mit der Ruhe im Innenraum zum cruisen ein. Stets sicher unterwegs, zeigt sich aber mit der Seitenneigung in der Kurve ein Nachteil der hohen SUV-Bauweise. Frühere Opel-Fahrwerke waren stabiler. Den Komforteindruck stützen sowohl die gute Handlichkeit als auch die fähige Klimaautomatik mit Ausströmern ebenfalls nach hinten. Alles paletti soweit? Eigentlich- wenn nicht jedesmal beim Fahrertür zuziehen der Griff knarzen würde. Der Preisklasse nicht angemessen. Da hilft auch die Ambiente-LED-Leiste in der Tür nicht darüber hinweg. Auch weniger toll sind – einmal mehr – die „Sehschlitze“ nach hinten. Rücksicht ist nicht serienmässig, also unbedingt Rückfahrkamera mitbestellen. Mehr als einmal rangierte ich mit flauem Gefühl rückwärts: die Fensterunterkante hinten ist deutlich über der Kopfhöhe von Kindergartenkindern.

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Me & a SUV?
Nein. Der Opel macht mich nicht an, auch wenn er zwei Wochen lang grosso modo ein angenehmer Begleiter war. Seine Massigkeit mit den kleinen Fensterflächen und dem unter dem Strich resultierenden relativ hohen Verbrauch (7,3 Liter trotz sparsamer Fahrweise) gefallen mir nicht. Mir fehlen noch immer Argumente für die hohe Bauweise, wenn man nicht gerade Pferdeanhänger durch den Sumpf ziehen will und noch dazu ohne Allradantrieb. Opel hat geräumigere Kombis, die auch weniger plump daher kommen und ein Stück leichter sind. Und – naja – dem Markengeist Opels näher kommen. Coolness kann es nicht sein, die hat er nicht.

Pst, etwas Werbung, auch wenn man nicht immer darauf hinweisen muss:
Plattformbruder des Grandland ist der 3008 von Peugeot. Mal abgesehen, dass er auch ein SUV ist: schauen Sie dort mal in den stylischen Innenraum!

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8 Gedanken zu “Me & a SUV – Fahrbericht Opel Grandland X

  1. Ich fahre jetzt mittlerweile schon den 4 Grand Cherokee. Ob es ein Hemi sein muss, sei mal dahin gestellt. Eigentlich wollte ich mir danach etwas kleineres kaufen, aber ich bin mir noch nicht ganz sicher. Vor kurzem haben wir in Schaffhausen zwei Regale abgeholt, 202x80x27cm und ich war wirklich froh den Grand Cherokee zu haben. Klar, verbrauch ist massiv zu hoch, darum werde ich mir wohl auch nie meinen Traum, den Dodge Durango, zulegen denn für mich würde eh nur der 2000er in Frage kommen, hatte für mich die schönste Front.
    Ob es nun nötig ist einen SUV zu fahren oder nicht ist doch jedem selber überlassen. Ich fühle mich mit meinem 190 cm in so einem Auto einfach wohler als in einem Opel Corsa oder was auch immer.
    Ist aber nur meine persönliche Meinung, jeder so wie er möchte.

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  2. Echt jetzt, dieser spätpubertäre Bling-Bling Spielkonsoleninnenraum des Peugeot soll besser sein? Dazu das bekloppte Kinderlenkrad von Maggie Simpson, über das man drübergucken soll, um das Frontdisplay (Armaturen gibts ja keine mehr) zu sehen. Kombiniert mit einer absolut nutzlosen Mittelkonsolenmauer?
    Eintüten und verschrotten, finde ich.

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    • Da bin ich absolut bei Dir (Artikel stammt von 69biit, bei mehreren Autoren gibt’s auch Meinungsvielfalt) 🙂
      Meines Erachtens gibt es weiterhin ein paar wenige Neuwagen mit schönem und auch praktischem Design, leider sind sie krass in der Minderheit.

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      • Uups, das hatte ich übersehen 🙂 Das passte so garnicht zu deinen anderen Beiträgen. Daher meine Überraschung.
        Wir haben noch einen 307, der geht innen ja noch. Aber einen neuen Peugeot würde ich mir erst kaufen, wenn einer deren aktuelles Innenraumdesign raushackt.

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    • Ob es unsinnig ist SUV’s zu fahren oder nicht muss jeder selber wissen. Dann können wir aber auch gleich diskutieren ob V8 Motoren Sinn machen oder nicht, oder ob Autos generell auf sagen wir mal 150 PS beschränkt werden.
      Für was LKW’s, wir könnten ja alles mit den Autos, die nur noch 150 PS haben, mit Anhänger transportieren oder alles gleich auf die Schiene verlagern.
      Rennsport ist eh überflüssig und dient eh nur dem Spritverbrauch.
      So, genug „Ironiemodus“.
      Die Vielfalt der Autos, zumindest heutzutage, hat den Vorteil dass jeder das findet was er möchte. Niemand wird gezwungen ein Auto zu fahren was ihm nicht gefällt.
      Gerade bei der AHV-Fraktion finde ich es sogar gut, sofern sie noch dazu fähig sind ein Fahrzeug zu lenken. Warum? Sie sehen mehr, sie sitzen höher und ich möchte euch mit Ende 60 oder 70 noch sehen wie ihr aus einem Opel Corsa oder was auch immer aussteigt.
      Ist aber auch nur wieder meine persönliche Meinung die nicht jedem passen muss und trotzdem fahre ich weiter meinen Jeep Grand Cherokee, weil es dem entspricht was ich gerne hätte.

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