Vom Kadett 1.3S zum 2.0E – Sünde oder Wohltat?

Der Zankapfel dieser These ist ein 81er Kadett in rostrot. Um es allen Unkenrufern gleich vorweg zu nehmen; die Karosserie weist sehr wenig Rost auf.

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Die Basis scheint in Würde gealtert. Der 1.3S brachte mit seinen 75PS den älteren Vorbesitzer wohl zum Einkaufen, zum Arzt und vielleicht sogar in die Ferien. An seinem Schätzchen haben sich nun beim nächsten Besitzer einige Änderungen „ergeben“. Schicksal aller durchschnittlich motorisierten Modell der unteren Mittelklasse der späten 70er und frühen 80er Jahre war ein hoher Geräuschpegel auf der Autobahn und ein sparsamer Motor, dessen Trinksitten sich auf der Autobahn von der Enthaltsamkeit rasch zu Harald Juhnke bewegten. Schuld dafür war in der Regel ein (zu) kurzes 4-Gang-Getriebe. Dieses versprach günstige Produktionskosten und dank des hohen Drehzahlniveaus einigermassen Durchzug im höchsten Gang. Diesem Problem begegnete der begnadete Veredler hier mit dem Ersatz des 1.3-Liter Motörchens durch eine Zweilitermaschine welche aus dem Kadett E GSi bekannt ist. Dazu wurde auch das Getriebe übernommen, neu findet man einen 5. Gang auch wenn der Schaltknüppel schwört, es seien nur deren 4 vorhanden. Das Drehzahlniveau bei 130km/h beträgt nun noch 3500 U/min. Selbstverständlich wurden auch Anpassungen an Fahrwerk und Bremsen getätigt. Der grosse Motor hat ein leichtes Spiel mit dem bisschen Karosse und beschleunigt im Nu im 5. Gang von 45 auf 80. Auch am Berg wie bei aufgehobenen Begrenzungen auf der Autobahn ist dieser alte Kadett an allen wohlbeleibten Heizölferraris dran. Das Leistungsverhalten sowie die Charakteristik des Wagens kann gut mit dem Porsche 924 (Bericht folgt) verglichen werden. Allerdings hat der Porsche vor allem in engen Kehren mit seinem Heckantrieb klare Dynamikvorteile.

Er wirkt absolut brav, es fehlt nur noch der TCS- und der Rega-Aufkleber.

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Opelfans mögen die weissen Blinker bemängeln. Auch ich würde, um den Wolf im Schafspelz zu unterstreichen, wieder auf die gelben Richtungszeiger wechseln.

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Fotolocation: Parkplatz des Restaurants Traube, Mult, 9200 Gossau SG, eines der besten „Buure-Beizli“ der Ostschweiz. Muelt

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Die Standardinstrumentierung jener Tage, der klassischen Kadettkundschaft hat dies gereicht.

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Hier allerdings kam noch ein kleiner Drehzahlmesser hinzu, ganz im Stile der amerikanischen GM-Brüder.

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Hinten geht es sehr einfach zu und her, immerhin dürfen die Mitfahrer der zweiten Klasse auf ein Überleben eines Frontalaufpralls hoffen, da dieser Kadett bereits über hintere Gurte verfügt. Wussten Sie, dass die grosse Heckklappe gar nicht serienmässig war? Beim billigsten Modell blieb die Heckscheibe wo sie war und es öffnete sich nur eine kleine Lucke darunter.

Welches Auto bietet heute auf so kurze Aussenabmessungen hinten so viel Kopffreiheit ohne auszusehen, als würde das Vehikel in der erstbesten Kurve kippen?

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Der Autor dieser Zeilen hat eine Schwäche, alte Autos vor alten (geschlossenen) Gaststätten zu photographieren.

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Der Testverbrauch über knapp 200km bei zügigem Tempo betrug 8.3l. Auf der Autobahn bei 120km/h mit geöffnetem Seitenfenster und Überland durch eine hügelige, voralpine Landschaft inkl. Stadtverkehr. Dieser Verbrauch entspricht ziemlich den vergleichbaren Messwerten anderer Kadettfahrer (mit dem Originalmotor) von Spritmonitor. Mit noch fälligen Feineinstellungen am Motor könnte dieser Wert eventuell sogar unter 8l sinken.

Ich komme zurück zur eingangs gestellten Frage; war dieser Umbau an einem ultraseltenen Kadett D eine Sünde oder eine Wohltat? Was ist Ihre Meinung?

9 Gedanken zu “Vom Kadett 1.3S zum 2.0E – Sünde oder Wohltat?

  1. Genau so einen hatte unsere Nachbarin. Er wirkte unvorstellbar modern nach dem vorausgegangenen Chrysler 180 (kennt den jemand überhaupt noch?), hatte aber den viel lauteren, charakteristischen Ton. Schönes Auto, hat mir immer gefallen.

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  2. Spannend zu lesen. Auf so eine Idee würde heute wohl niemand mehr kommen, da es mit überschaubaren Mitteln selbst in einer gut sortierten Werkstatt nicht möglich wäre solch einen Umbau an einem modernen Auto durchzuführen.

    Und um die Frage zu beantworten. Mir gefällt der Umbau. So hat wenigstens einer dieser Opels überlebt.

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    • Danke 🙂
      Absolut, heutzutage gibt’s im Budget-Bereich ja nur Chiptuning.
      Leider lässt sich aber weder ein Gang mehr, noch eine andere Übersetzung programmieren 🙂

      Genau, schliesslich gibt’s ja eh fast keine D-Kadetts mehr!

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