Renault R5 – die Rückkehr eines Klassikers?

Retro ist wieder in. Nicht wie vor 20 Jahren mit der Neuinterpretation des Minis oder des New Beetles. Nein, die Industrie hat gemerkt, dass Elektroautos optisch attraktiver werden müssen um verkauft zu werden. Ford probiert es mit grossen Namen von Volkscoupés im Kleid eines SUV, Renault verkauft für seine Bemühungen nicht die Seele seiner klassischen Modelle. Der neue R5 ist seinen Ahnen sowohl optisch als auch vom Nutzwert sehr nahe; er ist immer noch ein französischer Kleinwagen, chic und elegant aber vor allem weiterhin ein brauchbares kleines Auto. Hier wird kein Platz verschenkt für „optische Anleihen“ wie beim New Beetle. Nun aber konkret zum R5:

Für mich ist das Heck die schönste Seite des R5, hier erkennt man auch gleich den Vorgänger mit den charakteristischen Heckleuchten. Fairerweise muss gesagt sein, dass der hier gezeigte Ahne ein R5 Turbo 2 ist und nicht das was Claudine 1975 beim Renault-Händler als Stadtauto kaufte.

Aber auch von der Seite und von vorne ist der Renault 5 auch in der Neuauflage wieder ein fröhliches Auto geworden. Das haben wir im heutigen Verkehr der grossen, dunklen SUV nötiger als 1975. Das ist auch der Grund, dass wir uns als Oldtimerblog nach längerer Zeit wieder mal einem neuen Auto widmen. Auch Oldtimerfahrer brauchen meist ein Alltagsauto, da möchte man ja nicht unbedingt ganz auf Spass und Stil verzichten.

Dieses Pressebild zeigt die markantesten Farben die aktuell erhältlich sind, für diesen Mut kann man die Entscheidungsträger bei Renault nur loben:

Nettes Detail ist die Frankreichflagge im Scheinwerfer…

…und das beleuchtete „Cinq“ auf der Motorhaube.

Das Cockpit ist hell und erinnert ebenfalls an die erste R5 Generation.

Die Sitze sind manuell verstellbar, genauso wie es sich für einen kleinen Renault gehört und sind deutlich bequemer als damals. Die poppige Innenraumfarbe macht Freude, der optionale Baguettehalter erfreut frankophile Menschen wie mich besonders.

Standardfunktionen wie die Klimaanlage sind wie im Konkurrenten von Peugeot direkt anwählbar.

Der Platz auf der Rückbank wurde in diversen Tests bemängelt, das hat natürlich meine Neugier geweckt. Ich selber fahre gerne mit tief eingestelltem Fahrersitz. Dann ist es tatsächlich nicht möglich, hinten meine Schuhe der Grösse 44 unter den Fahrersitz zu bringen. Wer aber die vorderen Sitze etwas höher einstellt, ermöglicht hinten den Transport auch von erwachsenen Personen. Auch ich konnte mit dem etwas höher eingestellten Fahrersitz problemlos fahren.

Etwas hochgestellt…

Fahrersitz auf der tiefsten Position…

Ich denke hier muss man schon auch überlegen, dass ein solcher Kleinwagen selten mit vier Personen besetzt ist. Es ist aber möglich mit kleinen Kompromissen für alle, dafür kann die Gruppe auch ins engste Parkhaus oder die kleinen Parklücken nutzen, welche vollwertigen Fünfplätzern verwehrt bleiben.

Der Kofferraum ist ausreichend und lässt sich auch 1/3 bzw. 2/3 umlegen, so steht auch dem Skivergnügen nichts im Weg.

Renommierte Tester wie in diesem Bericht der AMS kreiden dem Wagen seine Reichweite an. Die hier getestete 150 PS Variante „iconic 5 comfort range“ wird mit 410km angegeben, klar ist dieser Wert in der hügeligen Schweiz nicht zu erreichen. Autobahnetappen mit 130km/h helfen hier ebenfalls nicht. Wer es aber darauf auslegt, kann gut in die Westschweiz fahren und muss erst am Ziel wieder laden. Hier denke ich, hilft ein etwas tieferes Autobahntempo. Hierzu ist das oben verlinkte Video sehr informativ. Es gibt auch noch schwächer motorisierte Varianten mit kleinerer 40 KWh Batterie mit dem Namen „Urban Range“, ich denke das sagt alles. Wer flexibler sein möchte, dem empfehle ich den Griff zum teureren Comfort Range auch im Hinblick auf einen möglichen Wiederverkauf.

Stichwort Autobahn; Hier fährt der Renault sehr leise aber für einen Kleinwagen natürlich auch aufgrund des Gewichtes sehr stabil. Der Spurhalteassistent sowie der Abstandstempomat funktionieren sensationell für diese Preisklasse. Da sage ich als Oldtimerfahrer, beim R5 fühle ich mich nicht entmündigt, sondern erfreue mich an den Möglichkeiten seiner unterstützenden Technik.

Der R5 vor der Kirche Wiesendangen ZH

An Fahrmodi wird Sport, Comfort sowie Eco angeboten, zusätzlich könnte ein weiterer Speicherplatz nach den persönlichen Bedürfnissen und Vorlieben erweitert werden. Ich habe mich auf der Probefahrt auf die werkskonfigurierten Modi konzentriert und bin nach kurzen Sportversuchen, welche auch im Cockpit mit roter Farbe untermalt werden, bei „Comfort“ geblieben auf Überlandstrecken und „Eco“ auf der Autobahn.

Mit diesem „Multisense“ Knopf am Lenkrad werden die Fahrmodi gewechselt.

Wo sich der US-Car-Fahrer in mir erst die Augen reiben musste, ist beim Automatik-Wählhebel. Lenkradautomatik war doch in Europa früher verpönt als Ami-Allüre. Nachdem nun diese in Tesla und Mercedes schon länger wieder salonfähig wurde, ist nun auch Renault dabei. 🙂

Wobei ein R5 mit Automatik auch schon da war:

Fazit: Renault ist mit dem R5 ein richtiger Coup gelungen, Super Cinq est retour! Ich wünsche mir und habe da auch keine grosse Angst, dass wir bald viel mehr dieser tollen Flitzer auf unseren Strassen sehen werden. Ob man jetzt für oder gegen die E-Mobilität ist, ist glaube ich mittlerweile zweitrangig. Denn jetzt wo die Industrie vielerorts zweigleisig fährt, können wir den Glaubenskrieg Verbrenner vs. E-Motor ad acta legen. Beim R5 macht der E-Motor Sinn und gute Laune. Wer dauernd hunderte von Kilometern abspulen muss ohne Pause, sollte sich weiterhin einen Verbrenner besorgen. Wer aber nur hin und wieder richtige Langstrecken macht, kann z.B. auch die optionale mobile Nespresso-Espressomaschine dazu bestellen und ist so auch an Orten gut versorgt, die noch nichts von gutem Kaffee gehört haben. So werden selbst Deutschlandreisen für Espressoliebhaber erträglich 😉

 

Der Testwagen wurde mir freundlicherweise von der Garage Mötteli in Turbenthal überlassen. Für das Vertrauen und die unkomplizierte Zusammenarbeit möchte ich mich  herzlich bedanken!

Der dort ausgestellte Turbo 2 lieferte mir die Vergleichsfotos.

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