Medienkritik – eine persönliche Meinung zum Oldtimerblätterwald

Dieser Kurzbeitrag erhebt keinen Anspruch auf Korrektheit, er bildet nur die Meinung des Schreiberlings ab. Oldtimerzeitschriften meiden Berichte über Blogs wie der Benzfahrer italienische Automobile. Das ist bis zu einem gewissen Punkt verständlich, bieten doch Blogs gratis Informationen und vor allem Unterhaltung im Gegensatz zu gedruckten und käuflich zu erwerbenden Erzeugnissen. Im Gegenzug dürfen sich nicht gewinnorientierte Blogs durchaus über Magazine äussern. Wir Autoren sind schliesslich alles begeisterte Leser und veröffentlichen hier im Blog eher Themen, welche keinen Platz haben in oben genannten Heften.

Auto Bild Klassik

Der Autor bezieht die Auto Bild Klassik im Abonnement und liest seit der ersten Ausgabe mit. Grund dafür ist die grosse Bandbreite der Themen, der Humor der Autoren und das jährliche Sonderheft zu den US Cars. Die Tiefe lässt teilweise zu wünschen übrig, aber das Heft bietet gute Unterhaltung für den Oldtimerfahrern und vermag durchaus den Appetit anzuregen.

Die Erzeugnisse aus Stuttgart finden vereinzelt ebenfalls den Weg zu mir. Die Motor Klassik besticht durch grandiose Bilder und einem edlen Erscheinungsbild. Allerdings werden naturgemäss in grosser Zahl schwäbische Erzeugnisse beschrieben. In der Schwesternzeitschrift „Youngtimer“ muss man den Herrn A. Cremers und seine Gebrauchtwagenkäufe mögen, sonst ist man mit dem Heft falsch bedient. Ich persönlich lese seine Geschichten zwischendurch gerne.

Zwar weniger ein Heft zum Stöbern beim Kaffee, aber mit vielen wertvollen Informationen gespickt ist die Oldtimer Markt und Praxis. Jederzeit empfehlenswert.

Die Auto Classic beurteile ich sehr durchzogen. Das Sonderheft zur Autopflege und Wartung ist meines Erachtens sehr gut gelungen:

Das darauf besorgte „normale“ Heft enttäuschte hingegen auf ganzer Linie. Die Texte sind eher langweilig geschrieben und inhaltlich kommen viel zu viele Fehler vor. Der BMW E34 soll über Frontantrieb verfügen, der Moparmotor mit 318cui sei ein Sechszylinder etc. Tut mir leid, aber hier müsste nur ein Oldtimerfan ein „Gut-zum-Druck“ geben und die Probleme wären behoben. Die Fotos hingegen überzeugen mich.

Was ich allen (deutschen) Verlagen vorwerfen muss; es geht vergessen dass man auch in Österreich und der Schweiz deutsch spricht und daher durchaus zur Lesergruppe gehören könnte. Diese Leser werden bei der Themenauswahl wie auch bei allen Wettbewerben komplett ausgeschlossen. Gerade der Autobild Klassik, welche fast in jeder Ausgabe einen Seitenhieb gegen den Trömp bringt (Was hat Politik in so einem Heft verloren, oder ist das Verlagsvorgabe?) würde etwas mehr Weltoffenheit diesbezüglich gut anstehen.

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36 Gedanken zu “Medienkritik – eine persönliche Meinung zum Oldtimerblätterwald

  1. Ich kann mich auch sehr gut mit dem Artikel und mit den anderen Kommentaren identifizieren, denn mir geht es ähnlich. Als 928er, 166er, 900er Fahrer bin ich abseits des Mainstreams, außerdem liebe ich die Vielfalt. Ich liebe auch die Zicken der italienischen Diva, die schwedische Zuverlässigkeit und das deutsche Overengineering. Aber eben nicht 911er/W123/Käfer &Co. Nicht desto trotz dürfen wir diese Masse nicht verteufeln. Erst durch die Massen an w123/124 oder Käfer die als Young-/Oldtimer Zuspruch gefunden haben, sind H-Kennzeichen/Steuervergünstigung/spezielle Versicherung/etc. entstanden. Zumindest in Deutschland. Die unzähligen Foren, die Treffen/Youngtimerrallyes/Oldtimerausfahrten und eben auch der Preiszuwachs für unsere Exoten sind dadurch auch entstanden. Wir profitieren auch davon. Die Szene ist groß geworden. Jetzt erst beginnt die Diversifizierung. Da wird sich auch was tun die nächsten Jahre.

    Die Automobilpresse hält sich sicher auch daran. Wen will ich zum Kauf animieren, wer ist die Zielgruppe? Wir sind nun mal nicht mehr die Zielgruppe. Der 30 jährige der jetzt auch einen Oldtimer will, weil Leidenschaft oder weil Mainstream sei mal dahingestellt, der kauft alles was er in die Finger über sein Wunschobjekt bekommt. Haben wir doch alle auch mal gemacht. Bis der Traum erfüllt ist.

    Was habe ich für Diskussionen mit W123/W124 Besitzern in meiner Bekanntschaft schon deswegen geführt. Das ist nun mal die Mehrheit und diese fühlt sich verstanden und bedient. Diese kaufen die genannten Publikationen und wenn sie Rookies in der Szene sind, dann glauben sie auch vieles was drin steht.

    Für Fortgeschrittene unter den Freaks, und ihr müsst zuegeben das sind wir, gibt es dann eben die Foren/Blogs oder eben vereinzelt eine Ausgabe der oben genannten Publikationen. Dafür ist man immer und überall mit einem Exoten willkommen. Hat auch was.

    Ich verstehe die Kritik gar keine Frage, aber ich denke es gibt immer mehrere Betrachtungswinkel.

    Es gibt auch gute print und online Publikationen: Retro Cars Mag, zwischengas wurde schon erwähnt, radical-mag.com, petrolicious.com, alttags-klassiker.at, the way of drive und viele andere – nicht zu vergessen hier dein Blog Marc.

    Weiter so Marc, die Szene lebt durch Engagement, Vielfalt und Toleranz.
    Chris

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    • Du hast mit Deinen Argumenten sicher auch Recht. Wertzuwachs bei einem 928 ist sicher auch vorhanden. Aber ich kaufe die Autos nicht, weil sie eines Tages mehr wert sein könnten… Es gibt viele guterhaltene Youngtimer, sehen aus wie frisch aus dem Laden, die will kein Mensch. Die lassen sich nur über einen sehr günstigen Preis verkaufen. Die werden nie wirklich wertvoller, nur seltener. Hätte ich den Platz, würde ich mir auch noch das ein oder andere Modell zur Seite stellen. Einfach, weil sie gut erhalten und günstig sind….

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    • Hallo Chris

      Erstmal danke für Dein Kompliment und Deine weiteren Vorschläge zu interessanter Lektüre!
      Ich gebe Dir aber absolut recht, ein Verteufeln der Masse ist kontraproduktiv. Von aussen werden wir als Oldtimerszene wahrgenommen, da dürfen wir uns intern nicht zerfleischen. Toleranz ist angesagt, wir fordern vom Mainstream Toleranz, gut! Aber wir „Nicht-Mainstreamler“ müssen auch den Mainstreamler Toleranz entgegenbringen lieber Mike. 😉
      Da bin ich absolut bei Chris, MAinstream oder nicht definiert sich nicht wirklich über W123 oder Simca fahren. Sondern ob man das Hobby wirklich lebt oder einfach einen Oldie hat, weil das als Hipster oder was auch immer gerade angesagt ist.

      Ein gutes Beispiel ist für mich gerade das W123-Forum.net, da darf man jederzeit ein konzernfremdes Auto vorstellen und man stösst auf positives Interesse!

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      • Ich bin tolerant lieber Marc, hab ja Dich und Deinen W123/124 auch akzeptiert… 🙂

        Was ich meinte: Ich lese diese Berichte nicht mehr (schau mir höchstens noch die Bilder an, denn an guten Fotos hab ich immer Freude) oder auf Treffen geh ich an solchen Modellen einfach vorüber, ohne sie näher anzuschauen. Gegen die Leute, die sowas fahren, hab ich natürlich nichts, ist nur nicht mein Fall.

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      • Zum Beispielthema von marcrudin: W123-Forum.net

        Ich führe seit Jahren mein Forum:
        Monza-Senator-Forum.eu
        und beim erstellen habe ich von Anfang an folgende Rubrik:
        „Markenoffene Ecke“
        eingebaut. Genau um das zu erreichen. Wem mein Forum gefällt, keinen Opel, gar Monza oder Senator fährt, kann sich dort mit seiner Marke einbringen.

        Ich denke, nur so kann ein reger austausch, über den Tellerrand, erfolgen.

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      • Du machst das vorbildlich Klaus. Ich hoffe, das viele Forenbetreiber Deinem Beispiel folgen. Es ist toll sich mit Gleichgesinnten zu treffen (und sei es nur online), noch spannender aber ist es doch zu erfahren, was sonst noch in der Garage der Forenteilnehmer steht. (oder von was sie träumen) 🙂

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  2. Ich halte mich kurz, denn das meiste wurde schon gesagt. Ich kaufe auch nur noch einzelne Ausgaben von Auto Bild Klassik und Youngtimer (hatte früher beide im Abo). Genau darum, weil immer wieder die gleichen Automodelle vorkommen. Wie Sven weiter oben schrieb: Mich reizen die *Exoten“ in der Young- und Oldtimerszene. Frühere Alltagsfahrzeuge und Familienkutschen, die überall in der Nachbarschaft vorhanden waren (Austin Allegro zum Bsp. – an dem lief ich täglich vorbei auf meinem Schulweg), wann hat man den letzten gesehen? Renault 16 oder 18, Peugeot 604? die gehörten damals zum Strassenbild. Oder Japaner der späten 70er/frühen 80er? Oder noch exotischer ein Chevrolet Citation, Pontiac Phönix oder Oldsmobile Omega. Der Buick Skylark hingegen war da schon fast wieder verbreitertet. Ok, diese Ami’s spielten wahrscheinlich in Deutschland wirklich eine untergeordnete Rolle (tun die „normalen“ Modelle ja schon), aber hier in der Schweiz waren sie doch noch häufiger zu sehen. Aber für eine eigene Schweizer-Zeitschrift ist der Markt wirklich zu klein. Ich will nicht den x-ten Artikel über den den W124/911 lesen. Das langweillt. Und nochmkals ein aber: Ich denke, das sind die Modelle (nebst Käfer, Bus & Mustang) mit der grössten Wertentwicklung. Und über die wird am meisten berichtet. –> Damit lässt sich Kohle verdienen! An Treffen gehe ich an solchen Auto’s vorbei, die interessieren mich schlichtweg nicht. Sondern eben die „exotischen“ Modelle, die niemand aufbewahrt hat, weil sie verbraucht wurden und vom Strassenbild verschwunden sind. Solche Modelle gehören vorgestellt – oder auch die Typen dahinter: Warum wird genau solch ein Modell gefahren oder gesammelt? So, genug geschrieben, ist jetzt trotzdem ein wenig länger geworden… 🙂

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    • Mike, einen ganz wichtigen Punkt, so in meinen Augen, hast du genannt.

      „….. oder ach die Typen dahinter.“ gehören vorgestellt. Ein Oldie ist nicht der Oldie „ohne“ den Type dahinter. Das sind Geschichten, ganz individuelle und so mit sehr interessante.

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      • Ja sowas ist immer interressant. Typen oder Typinnen – gibt ja beides, das ergäbe ganz bestimmt spannende Geschichten! Oder auch vergangene Automarken (Simca zum Bsp.)oder exotische Modelle wie den Saab 600 und die Geschichte dahinter, wie es zu diesem Modell kam. Oder Old/Youngtimer aus fernen Ländern, denke da beispielsweise an Holden in Australien. Was die früher so gebaut haben und was da heute für eine Szene existiert, usw. Klar, eine Reportage darüber ist sicher aufwendiger und bringt dem Mainstream-Leser natürlich nichts, weil es kein Mercedes oder Porsche ist… 🙂

        Marc, Du hast den Auftrag, den Link auf Deinen Blog allen bekannten Auto-Zeitschriften zu schicken, die sollen was daraus machen… 🙂

        Wobei ich gelegentlich – je nach Inhalt – auch noch die Auto Classic kaufe (so 2, 3 mal pro Jahr)

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      • Zu Simca ist etwas in Vorbereitung 🙂
        Den Link würd ich ja gerne an die Redaktionen schicken, wenn es nicht absolut vergebene Liebesmühe wäre. Leider interessiert die Herren Journalisten nicht im Geringsten, was wir hier von uns geben und was wir für Ideen hätten. Sie haben das ja studiert und wissen es darum. Wie Klaus schon schrieb, man wird höchstens auf gut-väterliche Art beruhigt: „Mein Junge, das verstehst Du nicht“ 😉

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      • Ich gebe Euch recht, der Mensch hinter den Autos, warum er dieses Auto fährt, wie er das Hobby lebt etc. ist ein sehr spannender und leider oft vernachlässigter Aspekt. Werde mir das selber hinter die Ohren schreiben. 🙂

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    • Ach ja, was ich noch anmerken wollte: Ich habe Freude an jedem alten Auto, welches ich auf der Strasse sehe! Da wird entweder gegrüsst (oder wenn ich mit dem Dailydriver unterwegs bin – mit Jg. 1999 ja noch fast ein Neuwagen), auch mal ein „Daumen hoch“ zum Fenster raus. Kürzlich mal 2 jüngere Typen in einem Toyota Crown, die hatten riesen Freude 🙂

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  3. Als Deutscher mit einer kleinen Youngtimersammlung gefällt mir das Argument der höheren Vielfalt in der Schweiz. Ich lese natürlich auch deutsche Magazine und komme zu ähnlichen Erkenntnissen, wie oben beschrieben. Gibt es empfehlenswerte Magazine / Journalismus in der Schweiz oder in Österreich?
    Das genannte Magazin aus Italien klingt interessant, aber leider spreche ich die Sprache nicht.

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    • Rayman, mein erster Besuch eines Oldtimer-Events in Italien war 2004. Das habe ich bei behalten und ausgedehnt. Z. T. mehrere Besuche pro Jahr mit meinem Opel Monza. Inzw. habe ich ganz liebe Kontakte / Freunde kennen gelernt. Von Messina und Taranto tief im Süden bis hoch nach Norditalien. Ich bin Jedes mal erstaunt darüber, welche und in welcher anzahl an Oldtimern in Italien vorhanden sind. Die Szene lebt mit so viel Herzlichkeit, die ich in der BRD so noch nie kennen lernen konnte. Kein Standesdünkel, kein Nein, nichts von all dem, wie es gang und gebe ist, in der BRD.

      Unzählige, reichlich bebilderte Dokumentation darüber sind in meinem Forum nach zu lesen.

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      • Das hört sich nach wahrer Leidenschaft für das Thema an! Ich ticke da ähnlich und ich freue mich über den Reisetipp mit Italien. Über die BRD Altblech-Szene sehe ich nicht ganz so schwarz, aber die Tendenz stimmt auf jeden Fall. Hier sieht man das alles viel zu verbissen und – wie schon gesagt – Variantenreichtum gibt es faktisch nicht.

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      • Ich erlaube mir den Tipp Italien noch insofern zu ergänzen, als dass das Südtirol auch bezüglich Oldtimerszene nach meinem Empfinden eine schöne Mischung zwischen Deutsch und Italo bietet. Wir waren schon mit dem bayrischen Urquattroclub auf dem Dorfplatz von Sterzing, ein schönes Erlebnis und es fühlte sich wohl auch keiner angesäuert. 🙂

        PS: in Eigenwerbung noch ein kleiner Beitrag zu Bella Italia: https://autosleben.com/2016/08/31/den-weg-ins-tessin-mit-italianita-wuerzen-spluegenpass/

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  4. Abgesehen davon, dass ich kaum solche Zeitschriften, egal welcher Herkunft lese: Von all diesen deutschsprachigen Oldtimer- und Youngtimer-Zeitschriften kaufe ich am ehesten (1 oder 2 x pro Jahr) eine Ausgabe der ‚Youngtimer‘, da diese, wenn auch eher selten, über etwas berichten, was ich als „Klassiker jenseits des Mainstreams“ bezeichne. Insbesondere meine ich damit
    Autos, die ich in meiner Kindheit positiv wahrgenommen habe; eben nicht zwingend abgehobene überteuerte Sportwagen und Luxuskarossen, sondern die Familienkutschen, die man aus der eigenen Familie, von den Verwandten und vom Freundeskreis kennt. Ich halte nicht viel von Wertsteigerung oder Prestige.

    Nennen wir das Kind beim Namen: Egal ob ‚AutoBlöd-Klassik‘, ‚Motor Klassik‘, ‚Youngtimer‘ oder ‚Oldtimer Markt‘ – sie schaffen es immer wieder, die gleichen Autos auf der Titelseite abzubilden. Während ausgerechnet die von mir favorisierte ‚Youngtimer‘ es schafft, den aus meine Sicht total misslungenen W210 mit Worten wie „cool“ und „tolle Chef-Karre“ auf
    gefühlt jeder 2. Ausgabe abzubilden, bringen es andere zustande, repetitiv über den 911 oder allgemein über Mercedes-Benz zu berichten, als ob es keine andere Autos oder Marken in der Szene gäbe. Sogar über „ML vs. Cayenne“ wurde bereits mehrfach berichtet – Hallo? Oldtimer? Youngtimer? Berichten wir jetzt als Klassiker-Zeitschrift auch noch über fragwürdig aufgemotzte 12-jährige Proleten-Autos, die auch heute noch an jeder Imbissbude zu sehen sind, fernab von jeglicher Definition eines Youngtimers? Und warum kann man anstelle der „üblichen Verdächtigen“ nicht den Espace I, wenn mal über ihn berichtet wird, omnipräsent auf der Titelseite darstellen? Da könnte doch glatt der Eindruck entstehen, dass die Artikel von den Herstellern „gekauft“ wurden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
    „Gut, schreib‘ doch deswegen mal die Redaktion an!“. Ein gute Idee, nur bringt die wenig, wenn die Redaktion nicht einsehen möchte, dass man eben auch mal über andere Autos von damals berichten könnte. Als Antwort erhielt ich, es sei wichtiger, die Mehrheit der Leserschaft zu erreichen (oder eher: „zufriedenzustellen“). Unter „Mehrheit“ wird offenbar einfach das verstanden, was am meisten als Oldtimer oder Youngtimer zugelassen ist. Dass vielleicht deren Besitzer auch Interesse an anderen Autos haben, scheint für manche ein unvorstellbarer Gedanke zu sein. Zu gross muss die Angst sein, die Zeitschrift noch verkaufen zu können, würde man mal was anderes zum Hauptthema küren.

    Dass es auch anders geht, zeigt die italienische Klassiker-Zeitschrift ‚Ruoteclassiche. Hier ein Blick auf die Titelseiten-Autos/Hauptthemen der Ausgaben des Jahres 2016: Dez.: Volvo Kombis (3x), Nov.: Lancia („110 Jahre“), Okt.: Citroën DS, Sep.: Alfa Romeo 33,
    Aug.: Peugeot 205 CTI, Jul.: FIAT 131 Abarth, Jun.: Alfa Romeo Giulia, Mai: Ford Sierra RS Cosworth, April: Lamborghini (4x), März: BMW („110 Jahre“), Feb.: VW Golf GTI („40 Jahre“), Jan.: Abarth (div.).
    Zum Vergleich ein Auszug der Hauptthemen/Titelseiten 2017 der AutoBlöd-Klassik: Dez.: „Autos von ’68″/Porsche 911, Nov.: „Die 100 schönsten Autos aller Zeiten“/Porsche 911, MB 300 SL, Citroen SM, BMW 3.0, Mini Cooper, Okt.: „Amerika gegen den Rest der Welt“/Dodge Challenger vs. MB R107 (wer hätte das gedacht?), Sep.: „Traum-Cabrios“/ MB SL 320, Porsche 968, Cadillac Allanté, Qvale Mangusta, Wiesmann, Jaguar XK, Aug.: „Macht der Jüngere mehr Spass?“/MB R107 vs. MB W113 & Porsche 912 vs 356, Jul.: „Die 50 Kauftipps“/Porsche 911, MB S-Klasse“…

    Die Fragestellung lautet: „Brauche ich denn als Besitzer eines populären 08/15-Oldtimers wirklich eine Zeitschrift, die sozusagen als Ratgeber für mein Auto dient?“ Nein. Abgesehen von den zahlreichen bereits existierenden technischen Ratgebern, und der gut organisierten Szene brauche ich keine Zeitschrift, die in repetitiver Weise über Dinge berichtet, die ich schon weiss, und dann total subjektive Vergleiche mit anderen Autos anstellt, die eigentlich immer gleich enden.
    Letztendlich liest sich so eine Zeitschrift in etwa so: „Opel Senator vs. Ford Scorpio – wer gewinnt? Der Mercedes Benz W124!“

    Springt die Redaktion doch mal ausnahmsweise über ihren Schatten und berichtet über ein „anderes“ Auto, muss der Schreiberling offensichtlich stets die Nachteile und Schwachstellen hervorheben, auch solche, die es nicht sind, bzw. an jedem anderen alten Auto auch auftauchen würden. Besonders „interessant“ wirds dann, wenn leere Behauptungen in den Raum gestellt werden, die dem üblichen Stammtisch-Niveau und oft verbreiteten Bashing gegenüber nicht deutschen Autos entsprechen. So geschehen in der ‚Motor Klassik‘:
    https://www.auto-motor-und-sport.de/news/alfa-romeo-164-30-jahre-16-gruende-oberklasse-limousine-frontantrieb-1051571.html
    Man beachte meinen dortigen ausführlichen Kommentar, mit dem ich die falschen Behauptungen richtig stelle.
    Bei solchen Artikeln wird mir dann aber auch klar, dass mit solchen Schreiberlingen keine guten objektive Artikel entstehen können. Da fällt mir dann der Spruch „Schuster, bleib bei deinem Leisten!“ ein, wobei wir dann eben wieder bei den üblichen Artikeln über die üblichen Autos wären.

    Was mich eigentlich am meisten daran stört: Ungeachtet meiner persönlichen Präferenzen für gewisse Marken, sehe ich als Verfechter einer markenoffenen Oldtimer-/Youngimter-Szene die Gefahr, dass sich Leute von solchen Falschinformationen sowie subjektiver einseitiger „Berichterstattung“ leiten lassen.

    Ich abonniere keine dieser Zeitschriften, denn: Guter Journalismus geht anders.

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    • Hoi Sven

      Danke für Deinen ausführlichen Kommentar! Ich bin mit Dir einverstanden, man bekommt den Eindruck, dass bei diesen subjektiven Vergleichstests immer die gleichen Hersteller gewinnen. Es gibt meines Erachtens so ein paar Autos, die hätten auch in der Mainstream-Oldie-Presse einen Bericht verdient, werden aber seit Jahren komplett gemieden. Spontan kommen mir in den Sinn; Audi 80 quattro 5E, Plymouth Valiant, Alfa 33, Renault R5 etc. etc. Leider sind die meisten Redaktionen auch in Deutschland beheimatet was leider teilweise in deutscher Arroganz endet. Erstens fuhr man draussen früher schon nicht so eine Bandbreite wie bei uns in der Schweiz, zweitens entsteht der Eindruck, dass man der eigenen Industrie verpflichtet ist.

      Genug gelästert, der von Dir genannte Umstand fordert natürlich alle Blogs heraus, eine breitere Berichterstattung zu leisten. Ohne Budget (und Autowerken als Testautolieferanten) ist das etwas schwieriger aber nicht unlösbar. Ich plane demnächst einen Aufruf, dass wir spezielle Oldies suchen für einen Testbericht. Mal sehen ob das etwas wird, ob da die Besitzer mitmachen möchten. 🙂

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      • Hallo Marc

        So ist es. Dass eine Klassiker-Zeitschrift die Autos der einheimischen Produktion tendenziell eher abdeckt, ist für mich ja schon nachvollziehbar, zumal sie das Strassenbild meistens dominierten. Wobei eben selbst Marken wie Audi, Opel und Ford eher stiefmütterlich behandelt werden. Selbst für Berichte über VW scheint es neben Golf, Bus und Käfer kaum populäre Modelle zu geben. Wie wäre es mit Passat I, der mit zusammen mit dem Golf I VW aus der Misere geholfen hat? Bei den Franzosen sehe ich z.B. auch den Renault 19 (zu Beginn der 90er in D in sechsstelligen Stückzahlen pro Jahr verkauft!) oder den Renault Twingo I als besonders erwähnenswert. Letzterer wurde, gemäss Aussage eines ehemaligen Renault-Händlers gleich drüben an der Grenze, hin und wieder gegen gebrauchte E34 5er BMW (!) eingetauscht. Trotz eigener Autoindustrie in Deutschland: Auch dort gab es zahlreiche nicht-deutsche Autos, die auch das Strassenbild prägten, und dann gabs ja auch noch die in Neckarsulm produzierten FIAT.

        In diesem Blog habe ich doch noch den Eindruck, dass er der Markenoffenheit in der Szene Rechnung trägt, sonst würde ich hier nichts über Autos wie den Volvo 440 oder den völlig unterschätzten Citroën Xantia lesen. Ihr macht das also schon gut. 🙂 Das mit dem Aufruf klingt nach einer guten Idee, die sicherlich auf Interessierte stossen wird.

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      • Danke für die Blumen Sven. Die von Dir genannten 2 Artikel kommen von 69biit, ich schicke ihm einen Link Deines Komplimentes 🙂
        Du sagst es, die anderen, teilweise von Dir genannten Autos hatten in Deutschland durchaus auch eine tragende Rolle im Strassenbild.

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  5. Wirklich spannend welche Ansichten hier vertreten werden. Da ich nicht nur gerne hier im Blog schreibe sondern auch das lese, was sich andere Autoren aus den Fingern gesaugt haben, komme ich beim Einkauf selten am Zeitschriftenregal vorbei ohne anzuhalten.

    Leider habe ich selbst auch schon die Erfahrung gemacht, dass die Redaktionen großer Blätter oft nicht so richtig zuhören oder wollen. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass viele Artikel so voll inhaltlicher Fehler sind. Besonders ärgerlich ist es dann wenn man Mitglied in einem Markenclub ist, der einen guten Ruf genießt und somit immer wieder von den Redaktionen kontaktiert wird. Nichts ist leichter als einen Club zu kontaktieren wenn man einen Exoten für einen Bericht sucht, der sich sonst nur schwer auftreiben lässt. Und dann sind dort Kracher in den Berichten drin, die einem die Haare zu Berge stehen lassen. Und solche Fehlinformationen, die meiner Meinung nach sehr wohl die Massen interessieren, sorgen dafür, dass man als Club bestimmten Redaktionen keine Fahrzeuge mehr zur Verfügung stellen möchte. Werbung in eigener Sache hin oder her.

    Gerade die Motorpresse Stuttgart glänzte in der Vergangenheit nicht unbedingt mit überschäumender Kooperationsbereitschaft. Mir ist ein Fall bekannt in dem der Besitzer eines Autos nach einem halbtägig Fotoshooting mit einem Besuch beim goldenen M wortwörtlich abgespeißt wurde. Geld will ja wohl kaum jemand dafür haben sein eigenes Auto mal in einer Zeitschrift zu sehen. Aber ein bisschen mehr dürfte es dann doch sein. Auf die versprochenen Fotos vom Shooting wartet er übrigns heute noch.

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  6. Vor vielen Jahren ging es los mit immer mehr „Youngtimer“-Heften und ich kaufte und kaufte… Das Problem war, dass man ja in jedem Heft mehrmals freudig jubelt „oh, so ein cooles Fahrzeug“. Jedoch wiederholt sich vieles irgendwann und ich musste mich einschränken. So reduzierte ich auf Autobild Klassik und das Youngtimer, von welchen ich jede Zeitschrift kaufe. Von allen Heft-Varianten notiere ich mir das Datum, wann das nächste Heft erscheint und gucke dann am Kiosk kurz die Themen an. Oh, cool, was über den 928-er? Ich schaue ins Heft rein, drei Seiten, davon zwei mit Bildern und ich lasse den Kauf sein. Selbstbeschränkung. Ja, Marc, ich sehe das ähnlich. Auch Alf Cremers Beiträge über Fähnchen-Händler-Fahrzeuge… sehr unterhaltsam, man findet sich wieder – auch wenn man die Fahrzeuge nur in Gedanken kaufen würde – aber es wiederholt sich halt schon auch stark.
    Fazit zu diesen Zeitschriften: Da ich kein Schrauber bin, hat für mich vieles nur Unterhaltungswert, aber darum geht es ja auch irgendwie… ein Hobby halt.
    Fehler in diesen Zeitschriften: Ist mir so grad noch nicht aufgefallen. Aber ich habe dem Landbote-Redakteur (eine seriöse Lokalzeitung aus Winterthur) auch schon mal eine E-Mail geschrieben, dass BMW nicht über seidenweiche V6-Motoren verfügen. Und nach der AR-Katalog-Ausgabe 2016 hat es mir den Hut gelupft. Ich schrieb der AR und konnte ihnen viele Fehler nennen, welche mir halt im BMW-Teil aufgefallen waren (Hubraum, PS, Typenbezeichnungen, falsche Bilder, neuer 7-er nicht richtig erwähnt, obschon er auf der IAA 2015 vorgestellt worden war). Ich bekam als Entschuldigung einen Nachdruck der Erstausgabe. Aber wenn ich Fakten im AR-Katalog nachlesen will, diese dann im Internet kontrollieren muss, kann es das nicht sein. Und die Fehler merkt man ja nur dort, wo man eh schon Bescheid weiss. Und zu Klaus: Ich finde den Monza auch cool, kenne vielleicht das eine oder andere, aber möchte mich bei einem speziellen Bericht über dieses Modell dann doch auch auf den Inhalt verlassen können. Aber vielleicht gehöre ich halt auch nicht zur grossen Masse…

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    • Hoi Guido

      Das geht mir genauso, wegen eines 3-seitigen Artikels kaufe ich keine Zeitung mehr. Was mich aber regelmässig zum Kauf animiert sind gut gemachte grosse Kaufberatungen. Denn meine persönliche Wunschliste ist noch lang und man weiss nie, ob man sich das betreffende Modell nicht doch mal noch anlacht 🙂
      Dem Landboten rechne ich hoch an, dass immerhin zwischendurch gute Berichte kommen über Oldtimer und die Rückmeldungen sogar als Leserbrief abgedruckt werden. Das mit der AR hingegen ist ja nur noch peinlich.

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  7. Nach dem mein Oldie auch schon in Berichterstattungen erschien, kann ich folgendes dazu sagen:
    Ohne Werbung für meinen machen zu wollen, muss ich natürlich bei meinem bleiben und die gemachten Erfahrungen zu diesem kundtun. Opel Monza 3,0 E A2, Bj. 1983. Ich bin gefragt worden und letzt endlich diente der Monza „“nur““ für Bilder. Für den Text bin ich „“nicht““ befragt, involviert worden. Ich fahre den Monza seit 15 Jahren, habe bei Opel 08.1968 meine Ausbildung begonnen. Somit ein alter Opelaner. Meine Meinung zählte nicht. Als der Bericht erschien, Fehler über Fehler im Text zum Fahrzeug. Ich intervenierte und erhielt folgende Antwort: „“Das fällt NUR ihnen auf, weil sie ihn kennen. Der masse nicht!““ So lapidar wurde es abgetan. Was soll ich nun noch dazu sagen? Wie man Berichte, Dokumentationen attraktiver wie spannender gestalten kann, schaut auf meine Homepage. In der Rubrik: Lob & Anerkennung ist es vielfältig mir bestätigt worden.

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