Heute freuen wir uns, Ihnen einen Gastbeitrag, erstellt durch den Alfa Romeo Club
Turgovia (ARCT), präsentieren zu dürfen. Der Club wurde 1990 gegründet und zählt
mehr als 40 Mitglieder. Im Club sind Alfa Romeos jeder Epoche willkommen, wobei
insbesondere Fahrzeuge aus den 50er, 60er und 70er Jahren stark vertreten sind.
Neben den monatlichen Clubhöcks in Frauenfeld, sowie verschiedensten Events (z.B.
Technik-Workshops und Autovorstellungen), werden auch regelmässig gemeinsame
Ausfahrten für die Automobilenthusiasten des Clubs organisiert. Von einer speziellen
Tour wird heute berichtet, der 2024er ARCT-Clubfahrt über den mächtigen Stelvio
(Stilfersjoch), den höchsten befahrbaren Alpenpass in Italien, mit einer Passhöhe von 2757 Metern.
Bereits bei der Einladung zur 2024er Clubfahrt wurde darauf hingewiesen, dass die
diesjährige Tour eine überaus anspruchsvolle Fahrt für Mensch und Maschine werden
würde. Es darf bereits jetzt verraten werden, dass der Stelvio dieses Versprechen voll
eingelöst hat und es nicht jedes Fahrzeug ohne Weiteres bis zur Passhöhe geschafft
hat.
Bereits um 6:30 Uhr am Morgen durften wir über 20 Autos, mit mindestens so vielen
Mitgliedern, zum Start unserer Clubfahrt begrüssen. Wir starteten von Lustenau in
Richtung Pfändertunnel, um dann sehr rasch die Autobahn wieder zu verlassen und der
Deutschen Alpenstrasse in Richtung Immenstadt zu folgen.
Auf leeren Strassen durften wir dabei die fantastischen lang gezogenen Kurven des
Allgäu erfahren und den wunderbar sonnigen Morgen in uns aufsaugen. Gleichzeitig
konnten sich so Mensch und Maschine für den ersten Pass des Tages aufwärmen – den
Oberjochpass. Hier waren die leichten Alfas der 1960er Jahr sofort in ihrem Element,
während Teilnehmer mit modernen Alfa Romeos (zB 4C, Giulia) die Kurven voll
auskosten konnten und die stärkeren (modernen) Motoren stets optimale
Beschleunigung aus den engen Kehren geboten haben.
Aufgrund des diversen Teilnehmerfeldes (u.a. 3 Mal 4C, Giulia, Alfetta, Alfetta GTV)
hatten wir uns entschlossen zwei Gruppen zu bilden. Die älteren Fahrzeuge haben
dabei die erste Gruppe gebildet, die schnelleren modernen Fahrzeug Gruppe 2.
In der Regel schaffen wir es auch in grösseren Gruppen stets zusammen zu bleiben. Wir
bewerkstelligen dies durch eine detaillierte Routenplanung via GPX-Studio, wodurch die
Routen auf Navis geladen werden können, das Abfahren der Route vor dem
eigentlichen Event und dem Vorhandensein von Walkie Talkies in den Autos der
Teilnehmer. Dieses Mal hat es Gruppe 2 aber tatsächlich geschafft eine falsche
Abzweigung zu nehmen, wodurch sie für den Kafihalt, im Alpengasthof zur Post in
Schattwald, leider zu spät gekommen sind. Es musste also ein schneller Espresso
reichen, damit der für diesen Tag knapp kalkulierte Zeitplan weiterhin haltbar war.
Nun, etwas dem Zeitplan hinterherhinkend, haben wir den Weg von Nord nach Süd
durch Tirol hindurch etwas flotter angehen lassen und erst wieder zum Mittagshalt im
Seerestaurant Ried gestoppt. Das Restaurant verfügt über einen direkt daneben
liegenden Badesee, eine grossartige Möglichkeit sich nach einem intensiven Vormittag
etwas abzukühlen. Zusätzlich seien die fantastischen Wiener Schnitzel erwähnt.
Nun ging es auf die letzte Etappe des Tages und die mit Abstand anspruchsvollste.
Spätestens nach der Überquerung der Grenze von Österreich nach Südtirol waren die
Schilder “Passo Stelvio” nicht mehr zu übersehen. Mit dem klaren Ziel vor Augen ging es
durch die beschaulichen Orte Graun, Mals und Schluderns. Nach dem Verlassen von
Schluderns blickt einem der Stelvio direkt ins Auge.
Ein Gesteinsmassiv von unfassbarer Grösse ragt in den Himmel, die enge Strasse auf
die Spitze des Berges lässt sich aus dem Tal nur erahnen. So begannen wir die
Ostrampe, mit ihren 48 Kehren, zu erklimmen. Eine Steigung von bis zu 15%, gepaart
mit etlichen Spitzkehren, forderte dabei dem gesamten Fahrerfeld ein hohes Mass an
Konzentration und Muskelkraft ab. Zusätzlich ist stets Vorsicht vor entgegenkommenden Verkehr geboten und auch die
vielen Velo Fahrer und Fahrerinnen müssen immer im Auge behalten werden. Umso
höher wir kamen, desto stärker machte sich bei den Vergaser-Autos die dünner
werdende Luft bemerkbar. In den Haarnadel Kurven musste, bedingt durch den
Gegenverkehr, immer wieder gehalten werden.
Vergaser, abgestimmt auf Bedingungen im Flachland, haben auf einer solchen Höhe
keinen stabilen Leerlauf . Die Fahrer mussten somit manuell ihre Motoren bei Laune
halten. Leider gelang das nicht immer und kurz vor dem Gipfel konnte der Fahrer eines
GT 1300 Junior “Kantenhauber” auch nicht mehr starten. Kurzerhand schwang sich die
schwangere Frau des Fahrers aus dem Auto und schob, mit der Hilfe von einigen
anderen Passanten, den Wagen bis auf die Passhöhe.
Die Fahrer moderner Autos hatten insbesondere mit den engen und steilen Kurven des
Passes zu kämpfen, wodurch es bei der einen oder anderen 4C Stossstange zu leichten
Berührungen mit dem Asphalt gekommen ist. Auf der Passhöhe angekommen wurde
schnell kontrolliert ob auch alle Teilnehmer angekommen waren. Tatsächlich hat ein
Auto gefehlt und es wurde gerätselt, wo der Alfa Romeo 1750 aus den frühen 1970er
Jahren abgeblieben war.
Sofort wurde eine Eingreiftruppe, geführt von einer silbernen Alfetta GTV, gebildet und
auf die Suche nach dem vermissten Teilnehmer geschickt. Dieser wurde dann auch
sehr rasch auf einem Ausweich-Parkplatz unterhalb des Gipfels aufgespürt. Eine
defekte Benzinpumpe hat an dieser Stelle eine Weiterfahrt verunmöglicht. Der ARCT
lässt keines seiner Mitglieder zurück – so wurde die Alfetta GTV zum Abschleppwagen
umfunktioniert und der Bertone die letzten Höhenmeter bis zum Gipfel durch einen
freiwilligen Helfer geschleppt. Der Abschleppwagen hat dann noch einige Zeit auf sich
warten lassen. Zum Glück gibt es deutlich schlimmere Orte, um auf einen
Abschleppwagen zu warten als den Gipfel des Stilfser Joches.
Die Abfahrt in Richtung Bormio stellte dann ein weiteres Highlight des Tages dar. Die
Kurven auf der Westseite des Stelvios sind deutlich flüssiger gestaltet, die Kurvenradien
weiter. Auch ist es hier möglich an manchen Stellen langsamere Verkehrsteilnehmer zu
überholen. So ergab sich eine flotte und flüssige letzte Etappe des ersten Tages.
Als kleiner Tipp für ein authentisches Abendessen in Bormio sei die Pizzeria Sunrise
erwähnt. Wir hatten die grosse Freude in einem Raum zusammen mit
Einheimischen zu speisen. Man fühlte sich sofort wohl und das Essen Italien-typisch
ausgezeichnet.
Nach einer kurzen Nacht starteten wir am frühen Morgen die Motoren, liessen diese
etwas warmlaufen und machten uns zügig auf den Weg in Richtung Schweiz. Unser
erstes Ziel des Tages war der auf 2328 Meter gelegene Berninapass. Die hauptsächlich
lang gezogenen Kurven haben dabei einen entspannten Start in den Tag geboten und es
konnte zügig der Gipfel erklommen werden.
Über Pontresina, Samedan und La-Punt ging es sodann weiter auf den Albula Pass. Dort
erwartete uns das Mittagessen im Albula Hospiz, wodurch auch der schnelle Aufstieg
Richtung Passhöhe auf 2312 Meter erklärbar war. Nur gebremst von einigen
Wohnmobile konnten wir die Landschaft in vollen Zügen geniessen und unserer Alfa
Romeos artgerecht bewegen.
Nach unserem gemeinsamen Mittagshalt boten die Strassen durch die Lenzerheide
einen wunderschönen Abschluss unserer 2-tägigen Passfahrt.
Gesamthaft wurden in diesen zwei Tagen etwa 600 km abgespult und etliche
Höhenmeter bewältigt. Neben den eindrücklichen Strassen, haben wir insbesondere
die wunderbare Zeit mit unseren Clubmitgliedern genossen. Solche Erinnerungen
machen es einfacher durch die Oldtimer-freie Winterzeit zu kommen und wecken
schon jetzt die Vorfreude auf die Saison 2025.














