Die Supersportwagen haben in den letzten gut 10 Jahren etwas von ihrer Faszination eingebüsst. Das liegt daran, dass sie mittlerweile auch dank Vermietfirmen und Leasing zu verbreitet sind aber auch dank böser Fratzen und Klappenauspuffe bis runter in die Mittelklasse sich nicht mehr gleich abheben können vom Mainstream. Trotzdem verspürten wir den Reiz, auch einmal im Leben einen Hochleistungswagen zu fahren und zu spüren, ob uns das auch für längere Strecken gefällt. Die Amerikareise im Frühling 2023 bot die ideale Gelegenheit dafür. Neben den bekannten Marken solcher Fahrzeuge wie Lamborghini, Ferrari und Porsche gibt es seit den 50er Jahren den Volumenhersteller Chevrolet, welcher mit der Corvette immer eine eigene Variante eines Supersportwagens im Portfolio führt. Anders als die anderen erwähnten Marken ist die Corvette dank vieler Grosserienteile immer verhältnismässig bezahlbar in Kauf und Unterhalt geblieben. Eine Corvette wird in Europa gerne belächelt, was soll dieser LKW-Motor mit zwei Ventilen pro Zylinder denn gegen einen 911 ausrichten? Einiges, wenn man sich Rundenzeiten auf dem Ring ansieht. Nun geht es konkret um die C7, die zweitneuste Generation welche in den bezahlbaren Bereich rückt. Wir haben dieses Modell im Osten der USA auf gut 3500mls getestet und schätzen gelernt.
Grundsätzlich fährt sich die Corvette ganz normal, obwohl sie dank ihrer Optik auf Supersportwagen macht. Keine italienischen Divaallüren, der 6.2 V8 startet ganz normal und zickt nicht herum. die Corvette kann schnell, muss aber nicht. Dank verschiedener Fahrmodi passt sie sich genau auf den Gemütszustand der Fahrgäste und die Eigenschaften der Strecke an. Ganz klar, dieses Auto bietet nur zwei Personen Platz, allerdings können diese auch auf eine grosse Reise gehen, sofern sie auf Schalenkoffer verzichten. Das ist beim aktuellen Modell mit den zwei kleinen Kofferräumen nicht mehr gleich gegeben.
Wer allerdings zu hoch lädt, kann das Targadach nicht mehr im Kofferraum lagern.
Nebellampen, Totwinkelassistent oder gar ein Spurhalteassistent wie es Autos aus diesem Preisbereich in Europa seit einigen Jahren haben, sucht man bei der Corvette vergebens. Sie ist weiterhin eine richtige Fahrmaschine, welche dem Fahrer die Fahraufgabe komplett überlässt, ihn aber dank einer vorzüglichen Strassenlage bei seiner Aufgabe unterstützt.
Bei kleiner Last schaltet der V8 4 Zylinder ab, was ihn zu einem Sparmobil macht. Wir haben die USA-Reise mit einem Schnitt von 8.0 Liter geschafft trotz öfter sehr ambitionierter Fahrweise. Meines Erachtens für 466 PS ein Topwert.
Die Achtstufen-Wandlerautomatik schaltet sanft und kann auch am Lenkrad selber geschaltet werden.
Auch Schotterstrassen sind kein Thema, zu beachten sind aber Schlaglöcher aufgrund der relativ knappen Bodenfreiheit.
Als Targa wäre die Corvette mein Favorit, Frischluft ohne grosse Abstriche im Komfort oder der Verwindungssteifigkeit.
Am Fusse der Smokey Mountains in Tennessee
Bei starkem Regen bleibt der Wagen gut kontrollierbar wenn man die Leistung in Kurven nicht übermässig abruft.
Die Bedienung des Wagens ist denkbar einfach, für die alltäglichen Funktionen sind Drehregler und Tasten vorhanden. Der Bildschirm kann per Knopfdruck nach unten verschwinden was einen guten, sichtgeschützten Stauraum für Portemonnaie oder Schlüssel freigibt.
Die zentrale Digitale Anzeige kann nach Wunsch gestaltet werden, für uns hat sich die Geschwindigkeit mit rechts den „Performance“-Werten mit Öltemperatur etc. bewährt.
Dass die Objects in amerikanischen Autos closer sind als sie appearen ist ja schon Kult. 🙂
Die Corvette auf dem Weg in ihren Heimatstaat Kentucky…
…in Bowling Green KY wird das „National Sports Car“ seit 1980 gefertigt. Ob die C7 oder die C8 ansprechender ist, muss jeder selbst entscheiden. Geräumiger ist die C7.
Es gibt viele Autos welche man sich schön trinken muss. Die C7 gehört nicht dazu, wüster wird sie mit einem Bourbon aber auch nicht…
Kleines Generationentreffen C6/C7.
Grenze nach Maryland…
…und diejenige nach Vermont
Blick auf den Atlantik in Maine
Farm in Connecticut
Verregnetes Virginia
Scenic Bridge in Tennessee
Abendstimmung in New Hampshire
Grenzfluss zwischen Vermont und Maine
Quer durch den Osten der USA brachte uns die Corvette ohne ein Zeichen von Schwäche. Imponiert hat mir, dass dieser Wagen bei jedem Wetter ein toller Reisebegleiter ist. Immer gut motorisiert und dabei sparsam. Natürlich ist man auch in Europa damit gut angezogen, vorbei sind die Zeiten in der eine Corvette hierzulande dem horizontalen Gewerbe zugerechnet wurden. Spannenderweise aber ist der Zuspruch für Corvette-Fahrer in ihrem Heimatland riesig, es scheint sich hier um den Traumwagen vieler Amerikaner zu handeln, fast eine Art nationales Heiligtum. Zum Kauf kann ich durchaus raten, dank ihrer Lässigkeit ist auch das Einhalten der Tempolimiten meines Erachtens problemlos.
Verbrauchsvergleich:
- Audi A2 1.4 TDI 2003 90 PS, 4.5l Diesel
- Citroën C4 Cactus 1.2 Turbo Benziner 2016 110 PS, 5.1l Benzin 95
- Skoda Superb Combi 4×4 TDI 6-Gang Diesel 150 PS, 5.5l Diesel
- Opel Corsa C 1.4 twinport 2006 90 PS, 5.6l Benzin 95
- Mercedes Benz 240TD 1979 72 PS, 7.6l Diesel
- Chevrolet Corvette 2016 466 PS Automatik, 8.0l Benzin
- Buick Park Avenue 1996 204 PS Automatik, 8.9l Benzin 95
- Audi 80 quattro 5E 1983 136 PS, 9.0l Benzin 95
- Mercedes 300E W124 1991 180 PS 9.1l Benzin 95
- Alfa Romeo Stelvio 2.0T 2019 280 PS Automatik 9.3l Benzin 95
- Audi A6 2.8 30V quattro 1996 193 PS Automatik, 9.5l Benzin 95
- Audi Quattro Turbo 1983 200PS, 10.3l Benzin 98
- Porsche 928 1982 240PS Automatik 10.8l Benzin 95
- Plymouth Valiant Signet V8 1967 180PS Automatik 13.0l Benzin 95
































