Vanderhall – reichen 3 Räder zum Spass haben?

Wir sind ein reiner Autoblog, Motorräder finden bei uns keine Erwähnung, da die Mehrheit der Autoren über keine entsprechende Fahrerlaubnis verfügt. Bis jetzt schrieben wir wie selbstverständlich über vierrädrige Autos (über was den sonst?). Am Oldtimertreffen im Valley hingegen traf ich auf Roger Hunziker, welcher für Friedli Motorsport die Vanderhall-Fahrzeuge aus den USA vorstellt. Er lud mich zu einer Probefahrt ein, von welcher ich hier berichten und auch auf die eingangs gestellte Frage zurückkommen möchte, ob denn die erwähnten drei Räder ausreichen für einen Sportwagen.

Die Probefahrt beginnt mit dem Vanderhall Edison2, der E-Variante dieses Roadsters.

Das Einsteigen erfordert etwas Übung. Mit der Zeit merkt man, dass man sich gut überall festhalten kann, hier kann nichts abbrechen. Ein Tritt auf die Bremse und ein Drücken auf den Startknopf und der Edison ist lautlos bereit. Seine zwei Motorradmotoren sind auf der Fahrt dank ihrer Riemen gut hörbar, was ich aber als angenehm empfinde. So werde ich gut gehört und ich habe beim Fahren eine akustische Rückmeldung. Am Anfang erinnert mich das Fahren an eine Schussfahrt auf dem Rennvelo, erst zögerlich erhöhe ich von 60 auf 80km/h. Mit der Zeit kommt auch das Vertrauen, im Vergleich zum Renner ist der Vanderhall auch bei höheren Geschwindigkeiten stabil auf der Strasse. Und wenn ich mich recht besinne ist der Wind hier dank der kleinen Windschutzscheibe doch deutlich schwächer als auf besagtem Zweirad. Langsam kommt auch Freude auf, wie direkt die Lenkung meine Wünsche umsetzt.

So präsentiert sich das Cockpit, reduziert auf das Nötigste und ausgestattet mit einem griffigen Sportlenkrad alter Schule.

Szenenwechsel und Umstieg in den „herkömmlichen“ Vanderhall mit einem 1.5 Liter-Turbomotor von General Motors. Dieses Fahrzeug ist mit einem Wandlerautomaten ausgerüstet, welchen man auch manuell schalten kann mit dem Stift, welcher auf dem „Schweller“ zu erkennen ist. Ohne Frage, der Benziner hat deutlich mehr Leistung und ist auch gut hörbar wie man das von einem Sportwagen erwartet. Das laute Popoff-Ventil ist gewöhnungsbedürftig, hier wird Friedli auf die nächste Saison hin noch einen Schalldämpferkit anbieten.

Wie reisetauglich ist so ein Vanderhall? Wer gerne viel reist, ist sicher gut beraten, die luxuriösere Variante, den Carmel zu nehmen. Der verfügt über Türen und ein abnehmbares Dach und bietet eine grössere Innenraumbreite. Etwas mehr als ein Nécessaire hat auf jeden Fall Platz, wer unkompliziert und abenteuerlustig ist, kann mit einem Vanderhall auf Reisen sicher viel Spass haben. Ich kann selber aber keine Aussage treffen, wie sich eine Autobahnfahrt anfühlt.

copyright by FriedlyPowersports

Im Showroom im aargauischen Wohlenschwil (bei Baden) ist die ganze Angebotspalette zu bewundern. Auch an Zubehör wird bei Friedli fleissig geforscht, die Liste an weiteren Annehmlichkeiten wird immer grösser. Was mich aber am meisten begeistert hat, Friedli liefert alle amerikanischen Vanderhall mit einem Swiss Finish aus, wie wir das von der AMAG damals mit den Chrysler-Fahrzeugen oder Emil Frey mit den Jaguar her kennen. Damals wie heute werden die Importautos gezielt auf Schweizer Ansprüche hin optimiert; eine gute Aargauer Tradition.

Fazit: Drei Räder reichen definitiv um viel Fahrspass zu erleben. Unerwarteter Weise würde ich als persönlicher E-Autoskeptiker klar zum elektrischen Edison tendieren. Seine Leistungsentfaltung und sein Fahrgeräusch haben mich am meisten angesprochen. Möglich, dass ich anders entscheiden würde, sobald das leisere Popoff verfügbar ist.

Bericht in der FAZ

Friedli Motorsport

Ich möchte Roger Hunziker für die Organisation der Testfahrten und Patrick Friedli für das angenehme Gespräch danken. Der Beitrag ist ohne jegliche finanzielle Zuwendung entstanden und widerspiegelt alleine meinen Eindruck.

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