Reise von Denver nach LA im Winter Teil 3

Heute verlassen wir das Capitol Reef Resort in aller Frühe und vorallem… in aller Kälte. Wir haben bald gelernt wie das die Amis machen; aufstehen, schnell rausgehen im Schlafanzug, Motor starten, dann zurück ins Motel, Kaffee aufsetzen und duschen. In uns Schweizern sträubt sich alles dagegen, allerdings kann ich die Leute auch verstehen. Oft treffen wir in der off-season Arbeiter an, welche wohl für beschränkte Zeit an einem Ort sind um einen Job zu machen. Die müssen wohl eh schon den ganzen Tag frieren, verständlich wenn sie morgens den Cummins-Diesel anwerfen in ihrem Dodge Pickup um mindestens frühmorgens warm zu haben. Link zu Teil 1 und Teil 2

Unsere Route führt uns heute vom Capitol Reef aus erst zum Bryce Canyon N.P. und dann weiter zum Zion N.P. Danach planen wir, eine Übernachtungsmöglichkeit zu suchen.

Es ist zwar wie erwähnt saukalt, aber auch ein wunderschöner Morgen.

Gute Gelegenheit, Ihnen eine angenehme Ausstattung des GMC zu zeigen; die Lenkradheizung. Ich hätte nicht gedacht, wie kalt so ein Lederlenkrad nach einer Nacht sein kann. Und wie schnell man bei einem warmen Lenkrad warme Hände hat.

Kleiner Zwischenstop bei Sonnenschein…

…und trotzdem nur 7 Grad Fahrenheit.

Tankstop in Boulder UT, ein richtiges Wild West Nest mit ungedeckter Tankstelle mit angeschlossenem Country Store.

Ist er nicht idyllisch, dieser vergessene Mustang III?

Betrachten wir ihn in seiner natürlichen Westernumgebung doch noch aus der Nähe. Sie können mich gerne auslachen, aber dieser eckige „Escort V8“ gefällt mir ausgesprochen gut. Man kriegt ein wendiges und leichtes muscle car für kleines Geld dass dazu auch noch verhältnismässig sehr sparsam ist.

Die 12er durch Utah ist erfahrenswert, hier fährt man auf einer Krete (Bergkamm) bis zum äussersten Spitz, danach geht es runter wie bei einer Achterbahn.

Erstes Etappenziel ist heute der Bryce Canyon N.P. Hier gibt’s Frühstück und eine kurze Besichtigung. Der Grossteil des Parks ist geschlossen, nur die untersten Aussichtspunkte „Inspiration Point“ sowie der „Bryce Point“ sind offen, die Strasse weiter hoch Richtung „Rainbow Point“ ist nicht geräumt. Allerdings bieten schon die unteren Aussichtsplätze eine tolle Sicht, das rot-braune Gestein in Kombination mit Schnee hat schon etwas von einer Traumwelt.

Da ausser Frühstück und kurzen Spaziergängen nicht mehr möglich ist aufgrund der Schneemenge fahren wir weiter Richtung Zion N.P. Unterwegs treffen wir auf ein kultiges aber ebenfalls „out of season“ geschlossenes Motel und Diner.

Selbst in dieser Idylle befindet sich ein wunderschöner Schrottplatz, welcher für gewisse Mitmenschen die Idylle zerstört, für die anderen verstärkt der Platz diese zusätzlich. Auch hier bietet sich ein breites Bild, allerdings beschränkt sich das Angebot fast nur auf einheimische Produkte. Vom Strassenkreuzer…

…über Pickups…

…massive SUVs…

…Schönheiten aus den 40ern…

…wieder Strassenkreuzern…

…bis zu einem Vertreter aus dem beliebtesten Baujahr des Bel Air (1957).

Das war mal ein Kleinwagen, nach der ersten Ölkrise waren die Gremlins auch mit V8 erhältlich.

Verfall in allen Stadien.

Nun aber genug Leichen angeschaut, wir müssen weiter, damit wir das Tageslicht im Zion N.P. noch optimal ausnutzen können. Gut 25 Meilen müssen ab Mt. Carmel Junction hin und wieder zurück gefahren werden, wenn man danach Richtung Grand Canyon weiter möchte. Auf der Fahrt durch den Zion gibt es sogar Tunnels, für Amerika eher eine Seltenheit.

In den Schluchten hat man natürlich in den anderen drei Jahreszeiten mehr vom Tag, so wird’s halt schnell dunkel.

Trotzdem oder erst recht können die Farben dafür eindrücklich zur Geltung kommen.

Hab ich schon erwähnt, dass mein Begleiter an der Fahreritis leidet? Wenn er mal fährt und unterwegs ist, dann macht er am liebsten die restliche Strecke am Stück, auch wenn man dafür 10 Tage Zeit hat. So hatte ich schlechte Argumente mit dem Wunsch noch in Kanab oder Fredonia eine Unterkunft zu suchen. Im Nachhinein muss ich ihm beipflichten, einen so schönen Sonnenuntergang in der verschneiten Wüste habe ich noch nie gesehen.

Auf einmal verlässt man die Wüste vorübergehend und ist wieder in einem Wald. Leider sank die Tankanzeige langsam aber sicher ebenso wie das Aussenthermometer und es waren auf der 89A (mittlerweile in Arizona) keine Siedlungen in der Nähe. Doch nach dem wir das abgebildete Waldstück verliessen stürzt die Strasse fast regelrecht in die Tiefe. In dieser Tiefebene sahen wir schon bald ganz weit vorne ein Licht. Unsere Hoffnung bestätigte sich, das Licht gehörte zu einem Restaurant mit Motel und Tankstelle mit dem schönen Namen Cliff Dwellers Lodge gut 70 Meilen hinter Kanab.

Spare Ribs und einen Wirt mit Lizenz zum Bierausschenken, was braucht man mehr abends?

Heute steht klar der Grand Canyon und ein Teilstück der Route 66 im Vordergrund. Ich war selber zwar schon öfters in Trumpanien aber noch nie im Grand Canyon Nationalpark. Grund dafür war das Gefühl, nicht dorthin zu wollen, wo jeder Städter (egal welcher Herkunft) hinreist um ja mitreden zu können und seinen Besuch zeitgenössisch mit Gartenzäunen zu teilen. Da mein Begleiter das erste Mal in den Staaten war, war ich gerne offen doch noch etwas Neues zu entdecken. Nun aber geht es erstmal los weiter durch die (kalte) Wüste.

Frühmorgendliche Bilder bei eisiger Kälte, hier im Nirgendwo ist auch der Sprit wieder etwas teurer.

Hier das ungewohnt reichhaltig bestückte Armaturenbrett unseres GMC. Die Anzeige unten rechts im Display zeigt an, ob die Zylinderabschaltung aktiv ist oder nicht. V8 gleich alle Freunde dabei, V4 gleich wir sparen Most.

In Cameron wo die 64 welche zum Grand Canyon führt abbiegt, essen wir gemütlich unser Frühstück im bedienten Teil eines edlen Tourishops.

Boooah eh… der Grand Canyon. Ich gebe zu, die Aussicht ist phänomenal. Die Anzahl der Parkplätze aber auch, ich bezweifle, ob es das wert ist, sich in der Hochsaison hinter tausenden von Touristen anzustellen um die Aussicht einmal zu sehen.

…und die Aussicht aus dem gezeigten Turm.

Dieses Bild zeigt ein wenig, wie kalt es wirklich war.

Ich nehme meinen Spott etwas zurück, sogar wildlife

Wer kennt ihn nicht, Fred Feuerstein. Sein „Yabba dabba doo“ kennen sogar meine Kinder, mein Standardspruch beim Fertigstellen des Wickelprozesses.

Leider ist das Steinzeit-Diner im Winter zu.

Da hat jemand noch zwei Johnnies vergessen…

…und zwei alte Ford.

Tourishop inklusive ein paar alter Autos südlich des Nationalparkes.

Williams AZ, da wo die Route 64 endet und auf die Interstate 70 bzw. auf die legendäre Route 66 trifft. Oder was von der Route 66 an wenigen Fragmenten dafür umso mehr an Tourishops übrig blieb. Züge fahren hier auch noch aus der Zeit, als die Route 66 noch durchgehend befahrbar war von Chicago bis LA.

Ein Spaziergang durch Williams bietet Leckerbissen für Augen und Ohren.

Vieles scheint in den 60ern stehen geblieben zu sein.

Stellen Sie sich vor, das örtliche Wirtshaus wäre erstens ein Fleischhaus und zweitens der Besitzer würde sich trauen, eine Schweizer Fahne oder noch viel schlimmer, eine schwarz-rot-goldene Fahne in das Trottoir oder eben in den Bürgersteig zu rammen. Aufruhr in der Bünzli/Biedermänner-Welt. Hier sieht man das gelöst…

…ebenso die Verschmutzung dieses Pickups. Hier kann keiner sagen, der Besitzer brauche die Kiste nur zum Angeben.

Gestellte Szenerie…

…nicht gestellte Szenerie. Ja, auch der Firebird der 3. Generation halte ich vor masslos unterschätzt, ab 6-7000 sind Sie mit einem guten Exemplar dabei.

Ja, die Amis und Weihnachten 🙂

Die Route 66 ist sicher sehr inszeniert mittlerweile, trotzdem kommt ein Tourist auf seine Kosten, sofern es sich bei ihm um einen Petrolhead handelt.

Das stand da auch noch angeschrieben:

Unser Motel in Kingman AZ, ja es war kultig. So kultig, dass sich nachts ein Teil der Feder durch den verbrauchten Matrazenbezug in meine Rippen bohrte. Eine Schnellreparatur meines mitreisenden Mechanikers erster Wahl half nichts, er sollte wohl besser bei Fortbewegungsmitteln bleiben. 🙂

Tolle Adresse zum Abendessen; Mr. D’z in Kingman.

Ungewohnter Weihnachtswunsch eines Klassikerhändlers gleich gegenüber.

Heute ist unser Ziel deckungsgleich mit dem Sehnsuchtsziel der Route 66: Los Angeles. Wo möglich folgen wir anfangs noch der Route 66, später dann aber über die Interstate und das übliche Durcheinander der Zubringerschnellstrassen durch die Millionenmetropole.

Schrottplatz am Ortsende von Kingman.

Und erste Route 66 Leckerbissen bei eisigem Wind aber schönster Sonnenaufgangsstimmung.

Oatman, zumindest morgens als wäre die Zeit stehen geblieben. Die Esel spazieren gemütlich durchs Kaff und nur die Tourishops zeigen, dass hier wohl im Sommer tagsüber mehr los ist.

Hat der was dabei?

Die längere Verweildauer von Nr. 1 heizt die Neugier bei Nr. 2 an, leider aber haben wir kein eseltaugliches Futter, I’m so sorry.

Schon sind wir in Kalifornien, hier an der südlichen Bahntransversale vom Pazifik an den Atlantik.

Ausserhalb Kaliforniens sind die Transaxle-Porsche fast so beliebt wie die 911, nur im Raum LA überwiegen die 911 klar.

Leider im Winter geschlossen, das Route 66 Museum vor den Toren LAs in Barstow.

Huntington Beach direkt am Highway No 1, hinterm Haus brechen die Wellen des Pazifik an den grossen Strand.

Coffee House 602 in Huntington Beach an der 6th Strasse direkt auch am Highway No 1 und damit am Meer.

Aussicht von den oben gezeigten Plätzen, immer mit schönem V8-Sound im Ohr, dazu die Palmen, die Wellen, traumhaft 🙂

Und das Beste: der Kaffee ist sensationell gut! 

Fortsetzung folgt, denn die Reise war hier noch nicht vorbei. Wir mieteten einen 67er Camaro sowie eine 19er Corvette um die LA Area zu entdecken.

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