Vive la France?

In unserem Nachbarland geht etwas ab, was auch uns Autofahrer betrifft. Da autosleben ein Blog für alle Themen rund ums Auto ist, wage ich mich an einen Meinungsartikel. Wie der Name schon sagt, es geht um meine Meinung, wie es um die Ihrige steht würde mich sehr interessieren. Dafür steht Ihnen gerne die Kommentarfunktion zur Verfügung. Es wird alles freigeschaltet was nicht links- oder rechtsextrem ist.

Bildquelle: Wikipedia

Der noch relativ neue Präsident Macron hat sich den sogenannten Klimaschutz auf seine Fahne geschrieben. Damit einher gingen Massnahmen wie eine Temporeduktion ausserorts von 90 auf 80km/h sowie eine neue „Umweltsteuer“, welche auf Kraftstoff erhoben werden sollte um den Autofahrer auf E-Autos zu lenken. Sollte, denn dieses Gesetz wurde auf Eis gelegt. Grund dafür waren massive Proteste der „gilet jaunes“, der Gelbwesten. In dieser zugegebenermassen recht unorganisierten und leider in einzelnen Fällen brutalen Sammlungsbewegung findet sich viele Personen aus der ländlichen Bevölkerung. Sie demonstrieren nicht gegen Umweltschutz, auch wenn das gerne so dargestellt wird um den Protest für den deutschen Medienkonsumenten einzuordnen (nicht dass der auch noch auf dumme Gedanken kommt…). Die Einordnungshilfe ist dringend nötig, denn das klassische Totschlägerargument „rechtspopulistisch“ greift hier nicht. Nein, der Ökozuschlag auf Treibstoff hat das Fass nur zum Überlaufen gebracht. Es zeigt uns aber, dass der Autofahrer nicht zwingend die Rolle als Milchkuh und Bösewicht der Nation akzeptieren muss.

Macron, der Ex-Banker, ist meiner Meinung nach kein klassischer Umweltaktivist von früher dem es wirklich um das Wohlergehen der Natur geht. Er ist wie viele seiner europäischen Politikerkollegen aber sehr interessiert an einer brummenden Wirtschaft, da bietet sich der Schulterschluss mit dem wohlklingenden Umweltschutz doch geradewegs an. Das Volk soll gefälligst seinen Fuhrpark, seine Heizungen etc. subito auf die neue Linie bringen, das gibt viele Verkäufe und die Industrie sowie die finanzierenden Finanzinstitute sind glücklich. Das ist eine sehr vereinfachte Darstellung, aber sie trifft den Punkt. Nur leider macht das der kleine Mann auf dem französischen Land nicht mit. Ihm fehlen schlicht die finanziellen Mittel dafür. Ganz im Gegenteil, aufgrund der radikalen Schliessung vieler ehemals staatlicher Dienstleistungen wie Bahnlinien, Poststationen, Spitäler etc. auf dem Land müssen viele längere Autofahrten in Kauf genommen werden.

Ein kleiner Einschub zum sog. Klimaschutz: Dieser macht mir zunehmend Sorgen, nicht das Wetter aber diese krankhafte Fokussierung auf dieses Klima das anscheinend geschützt werden will. Ein Hinterfragen dieser Hysterie scheint absolut tabu zu sein. Anstatt das Wetter erziehen zu wollen, wäre es viel wichtiger, wirklichen Umweltschutz zu betreiben, sich um Gegenmassnahmen gegen das Artensterben zu kümmern, die Gewässer weltweit sauberer zu bekommen, und die Zubetonierung Europas zu stoppen. Aber das ist von den Geldgebern der Politiker nicht gewünscht, denn damit lässt sich keine Kohle verdienen. Wer dann schon unbedingt E-Autos will, der müsste sich auch um Stromproduktion von morgen kümmern, mit etwas Sonne und Wind fahren wir nicht Auto, Zug und Bus neben dem normalen Strombedarf. Auch den Flugverkehr rührt keiner an, schliesslich will die politische Mitte Europas ja die Globalisierung um jeden Preis mit einigen Ausnahmen ganz links und rechts bzw. in Osteuropa.  

Im Zuge der Abschaffung der Reichensteuer und der Umerziehungsgelüste der Politik ist vielen einfachen Franzosen nun die Hutschnur geplatzt. Im Gegensatz zu ihren deutschen Nachbarn wissen sie seit dem Sturm auf die Bastille sich zu wehren und nicken nicht brav alles ab was seit Jahrhunderten von oben kommt. In diesem Sinne vive la France und hoffen wir, dass die Proteste ihr Ziel von mehr Mitbestimmung und direkter Demokratie friedlich erreichen.

Wie sehen Sie die Proteste in Frankreich? Ist so etwas in Deutschland mit der aktuellen DUH-Misere überhaupt vorstellbar? Im Vergleich zu Frankreich wird den Deutschen ja nicht nur das Autofahren verteuert sondern stellenweise gleich ganz verboten.

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13 Gedanken zu “Vive la France?

  1. Die neue Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h wurde in Frankreich meines Wissens mit der Begründung eingeführt, sie würde die Anzahl Unfälle reduzieren. Wenn ich mal in der ‚Grande Nation‘ unterwegs bin, habe ich tatsächlich das Gefühl, dass deren Landsleute tendenziell einen eher rücksichtslosen Fahrstil an den Tag legen. Nun, jetzt wird eben neu bei +/- Tempo 80 gedrängelt und waghalsig überholt – welch ein Unterschied.
    Tempo 80 aus umweltschutztechnischen Gründen? Das ist in dieser Hinsicht aus meiner Sicht genau so unsinnig wie Tempo 30 anstatt Tempo 50. Fahre ich Tempo 80, habe ich bei meinen Autos auf lange Sicht den höheren Verbrauch als bei einer Geschwindigkeit zwischen 110 und 130 km/h. Ganz abgesehen davon: Man will ja noch vorwärtskommen!

    Dass die Unzufriedenen unter den Franzosen aufgrund eines Zuschlags auf Treibstoffe auf die Strasse gehen, finde ich richtig. Ich denke, dass wir Schweizer uns in dieser Hinsicht auch bei anderen Themen eine Scheibe davon abschneiden können. Es scheint mir so, als ob man hierzulande (vielleicht im Sinne der „political correctness“, oder der allgegenwärtigen Neutralität) eher aufs Maul sitzt und auch Dinge widerwillig akzeptiert. In Deutschland sieht das meiner Meinung nach ähnlich aus. Das ist wohl einfach eine Frage der Mentalität.

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    • Danke für Deinen ausführlichen Kommentar!
      Ich hatte mal etwas gelesen von wegen Spritsparen, aber so gute Kontakte habe ich nicht mehr nach Frankreich.
      Ja, wir schlucken im deutschsprachigen Raum zu viel, zumindest CH und D. Österreich scheint mir da generell etwas liberaler zu sein betreffend Restriktionen von oben.

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  2. Es ist erstaunlich, wie immer Ursache und Anlass verwechselt werden. Klima und Spritpreise sind der Anlass gewesen, aber das Protestpotential hat sich über Jahre entwickelt. Auch wenn die These gern diskreditiert wird, weil sie ein Affront gegen die etablierten Parteien ist, ist das die Folge mangelnder politische Repräsentation. Es besteht kein Willen mehr, auch gegen die politisch und öffentlich akzeptierte Mainstreammeinung gehende Ansichten und Ideen ergebnisoffen in der Gesellschaft, Medien und Politik zu diskutieren.
    Aber diese Meinungen und Empfindungen in der Bevölkerung verschwinden nicht durch diese Marginalisierung. Sie fressen sich ein, bilden ein Frustpotential und führen irgendwannn zu offenem Protest. Gillets jaunes, Pegida, Aufstehen, AfD haben alle ganz ähnliche Ursachen.
    Das wird dann gern in eine Ecke geschoben und etikettiert, um sich widerrum nicht inhaltlich auseinandersetzen zu müssen.
    Dann noch mangels inhaltlichen Argumenten den “Gegner“ diskreditieren und ihm über den Umweg vorgeblich mangelhafter Orthografiekenntnisse eine ausreichende Bildung absprechen (die Demokratiefähigkeit sowieso) und schon kann man sich moralisch überhöhen und ohne echte Diskussion des Sachvehalts weitermachen wie immer.
    Ach ja, bei der Wahl natürlich rumheulen und sich verwundert die Augen reiben, wo denn die Stimmen sind.

    Vielen Dank für das Aufgreifen der Frage in deinem Blog!

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    • Herzlichen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Ich denke, das ist auch die Aufgabe der Blogs, Meinungen des ganzen Spektrums abzubilden und nicht nur diejenige der aktuell herrschenden Kaste sowie der sie unterstützenden Mainstreammedien. Leider aber können viele Menschen mit Meinungspluralismus nicht mehr umgehen, das macht mir Angst. Auch wenn die genannten Gruppen scheinbar alles dafür geben, den Zustand von 33-45 nie mehr zu erreichen, sind ihre Mittel hierfür leider zumindest verwandt. Meinungen welche nicht genehm sind werden ausgeschlossen, unbequeme Leute an den Pranger gestellt und ausgegrenzt und Meldungen entweder unterschlagen oder aufgebauscht, je nach dem wie es ins Programm passt.
      Du hörst es raus, das ist mein kleines Plädoyer für die (direkte) Demokratie, Meinungsvielfalt und die Diskussion ausserhalb der eigenen Blase, neudeutsch Bubble.

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      • Felix Helvatia! Ihr habt ja wenigstens direkte Entscheidungsmöglichkeiten. Hier gibts DDR 2.0, eine private und eine öffenltiche Meinung. Aber ich hatte 25 demokratische Jahre, da muss ja auch mal gut sein.

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      • Danke, ja wir schätzen unser Privileg. Ich mag Deinen Zynismus, aber es wären Dir demokratische Einrichtungen wie bei uns zu wünschen.
        Nicht wenige Deiner Landsleute wandern aus Richtung Süden…

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  3. Es gibt zahlreiche Studien zum Strombedarf von E-Autos, die lassen sich leicht im Internet finden. Lies wenigstens mal eine einzige bis zum Ende durch.

    In Sachen Klimaschutz (bei dir: „sog. Klimaschutz“) lege ich dir einen Artikel im aktuellen „Spiegel“ (vom 8.Dez) ans Herz, in dem es um die quasi-religiöse Bedeutung von offensichtlichen Lügen in Gemeinschaften geht. Der Klimawandel ist real und wissenschaftlich anerkannt.

    Insgesamt wirkt dein Artikel wie ein Schulaufsatz, in dem ein Kind seinem Frust Luft lässt, darüber dass Mami und Papi androht haben, ihm sein Spielzeug wegzunehmen. Vielleicht wachst du irgendwann auf, wenn du selbst Kinder hast und dein zeitlicher Horizont sich über dein eigenes Leben hinaus vergrößert.

    PS: Hast du keine Rechtschreib- und Grammatikprüfung auf dem Rechner? Es gibt einen Untershcied zwischen „das“ und „dass“, sowie zwischen „den“ und „denn“. Text ist so schwer lesbar, weil man über die falsch benutzten Wörter stolpert.

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    • Danke Mathias für die offenen Worte.
      Rechtschreibeprüfung gehe ich nochmals drüber, merci für den Hinweis.

      Es gibt durchaus auch Wissenschaftler welche diesen Klimawandel bzw. den Einfluss des Menschen und speziell des Autos (um welches es hier geht) anzweifeln.
      Kinder habe ich bereits und wach bin ich durchaus. Ich möchte ihnen sehr wohl eine intakte Umwelt bieten (siehe meine Forderungen), aber auch ein selbstbestimmtes Leben wie wir es noch haben.

      Grüsse

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    • Hallo Mathias

      Erfreulich, dass du Wert auf gepflegten sprachlichen Ausdruck legst!

      Erinnerst du dich an die Geschichte mit dem Splitter im Auge des Nächsten? Bevor du das nächste Mal jemanden wegen dessen Rechtschreibung und Grammatik kritisiert, kehr vor deiner eigenen Tür – ich sage nur: „Untershcied“ in deinem PS. Und „Text“ in deinem letzten Satz verlangt einen Artikel.

      Viele Grüsse,
      Chris

      PS: Dies ist ein globalisierter Blog mit Autoren aus verschiedenen Ländern – daher bitte die Absenz des Eszett in meiner Grusszeile nicht kritisieren

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  4. Die DUH legt meiner Meinung nach eine gewisse Doppenmoral an den Tag. Auf der einen Seite werden Fahrverbote für Dieselfahrzeuge auf Grundlage der bestehenden Luftreinhaltepläne eingeklagt, auf der anderen Seite führt dies Zwangsläufig zu einem CO2 Anstieg, durch wieder vermehrte Nutzung von Ottomotoren.
    Ein Verbrennungmotor wird niemals emissionsfrei funktionieren und genauso wenig wird es in absehbarer Zeit „klimaneutrale“ Antriebsformen und Energieerzeugungsmethoden geben. Selbst ein Windkraftrad will hergestellt werden.
    Insofern ist Klimaschutz immer ein Kompromiss, der nicht mit der Geiselnahme der Autofahrer beginnen muss. Weniger Beton in den Städten, mehr Artenschutz – ich muss es ja nicht wiederholen – wären Ansätze, die wohl weniger Konfliktpotential bürgen.

    Interessant, die Sicht eines nicht-Deutschen, bzw. nicht EU Bürgers auf die Situation zu lesen. Danke.

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    • Danke Bastian für Deine Rückmeldung.
      Ich pflichte Dir absolut bei, es gibt das Perpetum mobile noch nicht. Jeder Output braucht einen Input.
      Die von Dir angesprochenen Punkte weniger Beton und mehr Artenschutz wären sehr zu begrüssen.

      Bei uns gibt es nächstes Jahr die Zersiedelungsinitiative welche jede neue Einzonung nur noch im Gegengeschäft gegen eine Auszonung bewilligen lassen möchte. Noch habe ich mich nicht intensiv damit befasst, könnte mir aber vorstellen ja zu stimmen obwohl ich alles andere als links bin.

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      • Seit wann ist Naturschutz “links“? Der Natur ist es egal, aufgrund welcher Ideologie sie geschützt oder zerstört wird, das steht über der politischen Richtungsfrage. Google mal, wer in Deutschland das erste Naturschutzgesetz erlassen hat…

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      • Da hast Du absolut recht, der Natur ist egal WER sie schützt. Ich vermute es bereits ohne zu guugeln 😉
        Wir hatten in der Schweiz auch mal eine weit rechts stehende Partei welche sich für Umweltschutz stark machte, das waren die Schweizer Demokraten. Mit dem massiven Wachstum der SVP aber gingen sie so ziemlich unter.

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